NICC: Brandanschlag zur Beweisvernichtung?

Der Brandanschlag auf das Nationale Institut für Kriminalistik und Kriminologie in Neder-Over-Heembeek (NICC - Foto) in Brüssel Ende August könnte die Vernichtung von Beweisen aus Ermittlungen in einem Fall von Doppelmord zum Ziel gehabt haben. Dies vermuten zumindest einige Tageszeitungen in Belgien. Doch die Brüsseler Staatsanwaltschaft will dies nicht kommentieren.

Nach Meldungen der Tageszeitungen Het Laatste Nieuws, De Morgen und La Dernière Heure könnte der Brandanschlag auf das Kriminalistik-Institut bei Brüssel Ende August „einem Schuh“ gegolten haben. Dieser Schuh könnte eine wichtige Spur im Rahmen der Ermittlungen zu einem Doppelmord in kriminellen Kreisen gewesen sein.

Dieser Schuh wurde in einem Lieferwagen entdeckt, den die Polizei am 8. März in Seneffe/Hennegau sicherstellen konnte. In diesem Fahrzeug wurden auch die sterblichen Überreste der ermordeten Gangster-Brüder Claude und Frédéric Hilger aus dem Lütticher Raum entdeckt, oder eher das, was von den beiden übrig geblieben war. Die Leichten waren bereits größtenteils in Säure aufgelöst worden. Dieser Fall weist in Richtung einer brutalen Abrechnung in einem kriminellen Milieu hin.

Bisher tappten die Ermittler im Fall des Doppelmordes Hilger noch im Dunkeln, doch der Schuh aus dem sichergestellten Lieferwagen aus Seneffe könnte eine Spur in Richtung des Täters legen, so die recherchierenden Zeitungsredaktionen.

Die Zeitungen melden auch, dass vor dem Anschlag ein Unbekannter beim NICC angerufen haben soll, der sich als Ermittler der Bundespolizei aus Charleroi/Hennegau ausgegeben haben soll. Er wollte angeblich wissen, in welchem Raum oder Gebäude des NICC die Beweismittel im vorliegenden Fall aufbewahrt würden… Doch weder die Polizei, noch die Staatsanwaltschaft wollen die Meldungen kommentieren. Sie wurden aber auch weder bestätigt, noch dementiert.

Der Brandanschlag

Unbekannte hatten in der Nacht vom 28. auf den 29. August 2016 Brandsätze in das Gebäude des Nationalen Instituts für Kriminalistik und Kriminologie (NICC) in Neder-Over-Heembeek geschleudert. Dazu hatten sie mit einem Lieferwagen zuvor die Tore des nachts nicht besetzten Gebäudes durchbrochen.

Dabei entstand ein Feuer in einem Gebäudeflügel, in dem sechs der insgesamt 10 Laboratorien der Kriminaltechniker untergebracht sind. Dabei entstand der größte Schaden im Labor für die Analyse von mikroskopischen biologischen Spuren. Doch auch in anderen Labors war Rauch- und Wasserschaden zu beklagen, so die Bundesstaatsanwaltschaft damals.

Beweise aus laufenden Ermittlungen waren danach ebenso wenig in Mitleidenschaft gezogen worden, wie auch Elemente aus den laufenden Terrordossiers, hieß es einige Tage nach den Vorfall.