Deutscher Soldatenfriedhof von Vladslo wiedereröffnet

Am Freitag ist der deutsche Soldatenfriedhof von Vladslo im Norden der Provinz Westflandern nach umfangreichen Renovierungsarbeiten wiedereröffnet worden. Im Beisein von Rüdiger Lüdeking, dem Botschafter der Bundesrepublik Deutschland und der Bürgermeisterin der Gemeinde Diksmuide, zu der Vladslo gehört, und von Flanderns Ministerpräsident Geert Bourgeois fand dort auch eine Gedenkfeier für die dort mehr als 25.000 Deutschen Soldaten, die im Ersten Weltkrieg auf den flämischen Schlachtfeldern gefallen waren, statt.

Deutschlands Botschafter Rüdiger Lüdeking, Flanderns Ministerpräsident Geert Bourgeois und die Bürgermeisterin von Diksmuide, Lies Laridon, eröffneten am Freitagnachmittag den neugestalteten deutschen Soldatenfriedhof von Vladslo, auf dem die sterblichen Überreste von 25.645 Soldaten begraben liegen, die während des Ersten Weltkriegs auf den Schlachtfeldern im Westen Flandern ihr Leben gelassen haben. Dieser Friedhof, auf dem auch der Sohn der deutschen Künstlerin Käthe Kollwitz beerdigt wurde, ist mit Geldern der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, bzw. dem Volksbund-Landesverband Nordrhein-Westfalen und der flämischen Landesregierung umfassend renoviert worden.

Dieser Soldatenfriedhof ist nicht nur wegen der enorm hohen Zahl an Kriegsgräbern besonders bekannt, sondern auch wegen der Skulptur, die Käthe Kollwitz für ihren Sohn dort geschaffen hat. Das Bildnis „Trauerndes Ehepaar“ gilt als eines der Schlüsselwerke der ausgesprochenen Pazifistin Kollwitz.

Botschafter Lüdeking erinnerte in seiner Gedenkansprache in Vladslo an die vielen Einzelschicksale, die diese mehr als 25.000 gefallenen Soldaten und deren Angehörige und Nachkommen erlitten haben: „Hier in Vladslo haben mehr als 25.000 gefallene Soldaten des Ersten Weltkriegs ihre letzte Ruhe gefunden. Hinter jedem einzelnen Gefallenen verbirgt sich ein Schicksal, ein Schicksal auch der von dem Tod betroffenen Familien und Freunde.

Unter den hier begrabenen Soldaten befindet sich Peter Kollwitz. Sein früher Tod im Oktober 1914 - mit nicht einmal 18 Jahren - hat seine Mutter die Bildhauerin Käthe Kollwitz zur Schaffung der Figurengruppe „trauerndes Elternpaar“ bewegt, die Sie hier auf dem Friedhof sehen. Es ist ein beeindruckendes Kunstwerk, das in großer Eindringlichkeit dem Schmerz und der Trauer von Käthe Kollwitz über den Verlust ihres Sohnes Ausdruck verleiht.“

"Nie wieder Krieg"

„Für Käthe Kollwitz - das belegen Ihre Tagebuchaufzeichnungen - bedeutete der Tod Ihres Sohnes nicht nur einen tiefen Schmerz, der sie ihr Leben lang begleitete. Er bedeutete auch einen markanten Einschnitt in ihrem Denken, in ihrer Haltung zum Krieg. Sie beklagte fortan in ihrem künstlerischen Werk den Wahnsinn des Krieges und setzte sich für die Beendigung aller Kriege ein. „Nie wieder Krieg“. Das sollte auch uns innehalten lassen: Vladslo ist nicht nur ein Ort der Erinnerung. Wir bewahren hier nicht nur Gefallenen des Ersten Weltkrieges ein ehrendes Andenken.“

„Der Soldatenfriedhof Vladslo ist auch ein Ort der Besinnung. Dies gilt gerade auch für die Generationen, die nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs über lange Jahre in Frieden und Wohlstand gelebt haben und die sich die Schrecken des Krieges kaum mehr vorzustellen vermögen. Für uns alle, die wir hier heute versammelt sind , ist dieser Friedhof Mahnung, vor den Opfern des Krieges unserer gemeinsamen Verpflichtung gerecht zu werden; der Verpflichtung, alles zu tun, um unsere Völker zu schützen und ihnen den Frieden zu bewahren.“

„Diese Mahnung ist in diesen stürmischen Zeiten aktueller denn je. In unserer Nachbarschaft gibt es Fanatismus, Terror, Gewalt und Krieg. Hier in Mittel- und Westeuropa dürfen wir uns nicht der Illusion hingeben, auf einer „Insel der Seligen“ zu leben und uns gegen die Weltläufe abschotten zu können. Vielmehr sind wir gefordert, zu handeln. Und dies müssen wir in Übereinstimmung mit unseren zentralen Werten tun: Frieden, Freiheit, Menschlichkeit und Menschenwürde bedürfen unseres entschiedenen Einsatzes. Und - auch das sollte uns hier bewusst werden - Wir in Europa bilden eine Schicksalsgemeinschaft. Die aktuellen Herausforderungen können wir nur gemeinsam wirksam meistern.“

Zuschüsse aus Flandern

„Nach umfangreichen Instandsetzungsarbeiten freue ich mich, dass heute die Kriegsgräberstätte in Vladslo wiedereröffnet wird. Mein besonderer Dank gilt an dieser Stelle Ihnen Herr Ministerpräsident. Durch die großzügige finanzielle Beteiligung an den Kosten und die intensive Begleitung der Arbeiten hat die flämische Regierung die Sanierung erst ermöglicht. Ihre Regierung setzt sich in vorbildlicher Weise für die Erhaltung der Gedenkorte und Kriegsgräberstätten ein. Dies ist eine in die Zukunft gerichtete Aufgabe: Die Lebenden und die kommenden Generationen gilt es mit der Vergangenheit, mit den Schrecken des Krieges, zu konfrontieren und sie damit an die dauerhafte Verantwortung zur Wahrung des Friedens zu gemahnen.“

„Dies ist eine Aufgabe, der sich ebenso der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge verpflichtet sieht. Auch ihm gilt mein besonderer Dank für das unermüdliche Engagement für das Gedenken an die Toten und die Arbeit für den Frieden. Diese Aufgabe bleibt; sie ist heute aktueller denn je.“

Danke!

Anschließend bedankte sich Deutschlands Botschafter bei Bürgermeisterin Laridon und bei den Bürgern von Diksmuide dafür, dass sie sich in den letzten Jahrzehnten so sehr um die Erhaltung dieses Soldatenfriedhofes gekümmert haben: „Schließlich spreche ich auch der Familie Museeuw meinen aufrichtigen Dank aus, die als „Sleutelbewaarders“ über 50 Jahre lang Tag für Tag den Friedhof pflegten, öffneten und abschlossen.“

App des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge

Die Deutsche Botschaft in Brüssel teilte in diesem Zusammenhang mit, dass jetzt auch möglich ist, Vladslo mit einer App digital zu erkunden: „Wie bereits seit 2015 in Langemark können die Besucher künftig auch in Vladslo den Friedhof mit einer App erkunden, die sie vor Ort im kostenlosen WLAN herunterladen können. Sie enthält Hintergrundinformationen zum Ersten Weltkrieg in Flandern, zur Geschichte des Friedhofes und biografische Angaben zu einzelnen Toten auf Deutsch, Niederländisch, Englisch und Französisch. Neu gegenüber dem System in Langemark ist eine integrierte GPS-Karte, die bei der Orientierung hilft.“