Schaarbeek: 2. Verhaftung nach Messerattacke

Nach Angaben der Bundesstaatsanwaltschaft in Brüssel ist auch der Bruder des Angreifers von Schaarbeek verhaftet worden. Am Mittwoch hatte ein ehemaliger Soldat in Schaarbeek zwei Polizisten mit Messerstichen und einen dritten mit Schlägen ins Gesicht verletzt. Auch der Bruder des Angreifers ist belgischer Nationalität und steht unter Terrorverdacht.

Hicham D. (43) hatte am Mittwochmittag im Brüsseler Stadtteil Schaarbeek Polizisten mit einem Messer angegriffen. Zwei von ihnen stach er dabei nieder. Herbeigeilte Beamte streckten ihn mit einem Schuss ins Bein nieder, doch bei seiner Verhaftung schlug der Mann, ein ehemaliger Thaiboxer, wild um sich und brach einem weiteren Polizisten die Nase.

In der Wohnung des Mannes wurden bei einer Durchsuchung weder Waffen, noch Sprengstoff oder andere verdächtige Gegenstände entdeckt. Der Angreifer sollte eigentlich nur einer Routinekontrolle unterzogen werden, rastete dabei jedoch völlig aus. Angesichts der Tatsache, dass er Kontakte zu radikalen Moslemkreisen und zu Syrienkämpfern hatte, hält die Bundesstaatsanwaltschaft einen terroristischen Hintergrund für nicht ausgeschlossen.

Doch es könnte sich hier auch um einen Racheakt gegen die Polizei gehandelt haben. Hicham D. war lange ein erfolgreicher Thaiboxer, der in diesem Kampfsport auch Unterricht gab. Doch dessen sportliche Laufbahn wurde durch einen schweren Verkehrsunfall jäh beendet. In diesen Unfall vor einigen Jahren war auch ein Polizeifahrzeug verwickelt.

Informationslücken?

Inzwischen verhaftete die Brüsseler Polizei auch den 46 Jahre alten Bruder von Hicham D. Was diesem vorgeworfen wird, ist noch unklar. In den Fall hat sich jetzt auch Bundesinnenminister Jan Jambon (N-VA) eingemischt. Er stellte öffentlich die Frage, warum der Mann bei der Staatssicherheit durch seine Kontakte mit radikalen Islamisten vorgemerkt ist, doch das dieser Umstand bei der lokalen Polizei in Brüssel nicht bekannt ist.

Offenbar funktioniert der Austausch von entsprechenden Informationen zwischen den diversen Ermittlungs- und Polizeidiensten immer noch nicht so, wie von der Politik gefordert und besprochen. Ein Grund dafür wiederum könnte der chronische Personalmangel bei den Polizei-, Staatssicherheits- und Ermittlungsdiensten sein, der immer wieder angesprochen wird.