Streiktag in Belgien - Wo gab es Probleme?

Trotz der Tatsache, dass die Gewerkschaften den für diesen 7. Oktober geplanten Generalstreik gegen die Sozial- und Sparpolitik der Mitte-Rechts-Regierung abgesagt hatten, kam es doch in verschiedenen Sektoren zu Streiks, Protestaktionen und Demonstrationen. Bestreikt wurde die Metall-, die Textil- und die Lebensmittelindustrie und auch bei den regionalen Verkehrsbetrieben lief nicht alles nach Plan.

Verkehr

Bei der belgischen Eisenbahn fuhren alle Züge, doch bei den regionalen Verkehrsgesellschaften De Lijn in Flandern, TEC in Wallonien und MIVB/STIB in Brüssel sind nicht alle Busse und Bahnen am freitagmorgen ausgefahren. Auch am Brussels Airport war mit Behinderungen zu rechnen, denn dort streikten Mitarbeiter der Gepäckabfertigung. Die Verkehrspolizei meldete am Freitagmorgen auch, dass am Brüsseler Frachtflughafen Brucargo LKW die Zufahrt verwehrt wurde. Über 100 Flüge hatten durch diese Aktion Verspätung.

Industrie in Flandern

Während bei Audi in Brüssel auf einen Streik verzichtet wurde - hier wollen die Gewerkschaften das Projekt E-Auto und den Wunsch, auch ein zweites Modell bauen zu dürfen, nicht in Gefahr bringen - rollten bei Volvo in Gent weder PKW noch LKW vom Band.

Im Stahlwerk von Arcelor Mittal in Gent wurden nur Arbeiter auf das Gelände gelassen, die aus Sicherheitsgründen dienstverpflichtet wurden. Auch im Drahtwerk Bekaert und beim Auspuff-Hersteller VDL in Aalter und in kleineren flämischen Metallbetrieben wurde gestreikt.

Im Lebensmittelbereich wurden das Werk von Coca Cola in Zwijnaarde, das Werk von Milch-Gigant Campina in Aalter und der Tierfutterhersteller Versele-Laga in Deinze bestreikt. Dies betraf auch die Keksfabrik von LU und die Schokofabrik von Milka, beide in Herentals. Nicht zuletzt wurden bei Samsonite in Oudenaarde an diesem Freitag keine Koffer hergestellt.

Andere Bereiche

Vielerorts wurden im belgischen Bundesland Flandern auch die Sektoren Reinigung, Bewachung, bezahlbare Parkplätze, Gastronomie und Gartenbau bestreikt. In Wavre in der Provinz Wallonisch-Brabant, wo Premierminister Charles Michel (MR) wohnt, demonstrierten die Gewerkschaftsfront aus sozialistischer, christlicher und liberaler Gewerkschaft lautstark gegen dessen Politik. Bei der ING-Bank in Belgien, wo Anfang der Woche Massenentlassungen und Filialschließungen bekanntgegeben wurden, trafen sich am Freitag wohl tausende Betroffene vor dem Hauptgebäude.

Aktion richtet sich auch gegen die Arbeitgeber

Die Gewerkschaften protestierten mit ihren Aktionen überall im Land nicht nur gegen die Spar- und Sozialpolitik der belgischen Bundesregierung, sondern auch gegen die Arbeitgeber. Diese würden zwar angeben, „neutral zu sein“, so die Gewerkschaften, sie würden sich aber „hinter dem Rücken der Regierung verstecken, diese aber steuern“.

Mit ihren immer lauter werdenden Ruf nach flexibleren Arbeitszeiten würden sie zudem die Gewerkschaften an den Rand der Arbeitsmarkt- und Beschäftigungspolitik in Belgien drängen. Aber, nicht überall wurde auch gestreikt, denn von Fall zu Fall und von Sektor zu Sektor wird auf Verhandlungen gesetzt und ausdrücklich nicht gestreikt. Daraus resultiert auch die Absage des ursprünglich für diesen 7. Oktober geplanten Generalstreiks.