Einzelklagen gegen VW und den belgischen Vertriebshändler D'Ieteren

Die belgische Verbraucherschutzorganisation Test-Aankoop (dt.: Stiftung Warentest) hat vor wenigen Tagen Einzelklage gegen den deutschen Autobauer Volkswagen und den belgischen Vertriebshändler D'Ieteren erhoben.

Es läuft bereits eine Sammelklage gegen die Volkswagengruppe, doch laut Gesetz können sich an der Klage nur VW-Kunden beteiligen, die ihre geschädigten Fahrzeuge nach dem 1. September 2014 gekauft haben. Erst seit diesem Datum sind Sammelklagen in Belgien zulässig. Allen anderen betroffenen VW-Kunden hatten von Test-Achat Rechtsberatung für Einzelklagen angeboten bekommen. Anfang der Woche wurden nun Einzelklagen gegen die Volkswagengruppe und gegen D'Ieteren eingeleitet.

Die Verbraucherschutzorganisation hat zu diesem Zweck schon  gut dreißig vollständige Akten zusammengetragen. An den Einzelklagen können sich weitere Autobesitzer beteiligen. Gut 6.000 Verbraucher haben sich bei Test-Aankoop bereits gemeldet, doch von der Mehrzahl hat die Organisation noch keine vollständige Akte angelegt.

Die Verbraucherschutzorganisation ruft die Konsumenten auf, den Klagen beizutreten, sei es nun für Sammelansprüche oder für Einzelverfahren. "Jeder VW-Kunde sollte aufgrund des Betruges der VW-Gruppe finanziell entschädigt werden, ungeachtet dessen, ob man sein Auto nun vor oder nach dem 1. September 2014 gekauft hat."

Morgen, das heißt am Montag, wird ein erster Gerichtstermin zu den kollektiven Ansprüchen abgehalten. Am 9. September hatte bereits eine Vorbesprechung stattgefunden. "Wir hoffen, dass man sich am Montag schon für die Zulässigkeit unserer Klage ausspricht, aber wir sind uns im Klaren, dass die Gegenpartei Verzögerungstaktiken versuchen wird", sagt Simon November, der Sprecher von Test-Aankoop.

Entschädigungsforderung: "Kaufpreis des Autos plus Auto"

VW hatte im September 2015 nach Ermittlungen von US-Behörden eingeräumt, dass weltweit in rund elf Millionen Dieselfahrzeugen eine illegale Software installiert wurde, die den Schadstoffausstoß bei Emissionstests drückt.

8,5 Millionen der Fahrzeuge waren auf dem europäischen Markt zu finden. Doch während Volkswagen in den Vereinigten Staaten insgesamt 14,7 Milliarden Dollar an finanzieller Entschädigung für betrogene VW-Kunden gezahlt hat, sind in Europa noch keine Entschädigungszahlungen geflossen.

Diese Ungleichbehandlung sei nicht zu akzeptieren, findet die Organisation. Europäische Verbraucher hätten Recht auf eine finanzielle Entschädigung. Die Organisation fordert deshalb, dass die Kunden den Kaufpreis ihres Autos zurückerstattet bekommen und gleichzeitig ihr Auto behalten dürfen.