Die Mehrheitsparteien verlieren in Umfrage leicht

Wenn jetzt ein neues belgisches Bundesparlament gewählt würde, dann müssten die Mehrheitsparteien Federn lassen. Gemeinsam verlieren die drei flämischen Parteien laut einer aktuellen Umfrage unseres Hauses, der VRRT, und der Tageszeitung De Standaard 8,3 % Stimmen. Gewinner wäre heute auf Ebene des belgischen Bundeslandes Flandern die linke Opposition und hier im Besonderen die Grünen.

Gegenüber dem Wahlresultat der letzten Parlamentswahlen in Belgien würden die drei flämischen Mehrheitsparteien CD&V (Christdemokraten), N-VA (Nationaldemokraten) und Open VLD (Liberale) gemeinsam laut unserem aktuellen Politbarometer 8,3 % ihrer Stimmen verlieren.

Die Mitte-Rechts-Regierung um Premier Charles Michel von den frankophonen Liberalen MR, dem vierten Koalitionspartner, würde zwar mit 58,2 % weiter die Mehrheit im Bundesparlament erreichen, doch auch wenn der nächste Wahlgang erst in drei Jahren stattfindet, ist dies keine gute Nachricht für die Regierung Michel I.

Flanderns größte Partei, die flämischen Nationaldemokraten N-VA verlieren gegenüber 2014 4,6 %, bleiben aber im Vergleich zur letzten VRT/De Standaard-Umfrage mit einem Stimmenanteil von 27,8 % stabil. Größte Verlierer sind in der aktuellen Umfrage die Christdemokraten der CD&V, die knapp 2 % verlieren und jetzt bei 16,8 % liegen.

Damit hat die CD&V nur noch 1 % Vorsprung vor den oppositionellen flämischen Sozialisten SP.A, die jetzt bei 15,8 % liegen. Der neue „Linkskurs“ von Parteichef John Crombez (kl. Foto) scheint sich also zu lohnen, auch wenn seine Partei in einigen Skandalen in Misskredit geraten ist (Banken-Pleite Optima in Gent und parteiinterne Streitigkeiten in Hasselt).

Auch die flämischen Liberalen müssen einmal mehr Federn lassen. In der aktuellen Umfrage steht die Open VLD auf dem vierten Rang mit 13,6 %, dicht gefolgt von den flämischen Grünen von Groen. Die Grünen gewinnen 4,8 % der Stimmen und würden damit heute bei 13,3 % stehen. Das ist ein Status, der die Ökopartei in Richtung Zentrum steuern würde.

Wahlverhalten

Im Bereich Wahlverhalten verliert die christdemokratische CD&V, die sich gerne als das „soziale Gewissen“ der Regiering Michel darstellt, viele eher linke Stimmen an die Grünen. Die N-VA verliert einige Stimmen an die rechtsradikale Partei Vlaams Belang, die mit einem Plus von rund 2 % bei 8,1 % stehen bleibt.

Mehr Vertrauen in Premier Michel als in seine Regierung

54 % der Befragten aus Flandern und Brüssel haben derzeit noch Vertrauen in die aktuelle belgische Mitte-Rechts-Regierung Michel I. Das entspricht einem leichten Minus von 2 %, ist aber immer noch ein gefestigter Durchschnittswert. Interessant ist das Ergebnis für Premier Charles Michel (kl. Foto) persönlich. Dem frankophonen Liberalen geben 72 % der befragten flämischen Wähler ihr Vertrauen.

Damit schneidet Michel sogar besser ab, als sein Vorgänger, Ex-Premier Elio Di Rupo von den heute oppositionellen frankophonen Sozialisten PS. Zum Vergleich: In der flämischen Landesregierung zeigt sich dies eher umgekehrt. Hier genießt die Regierung 60 % Vertrauen, doch „nur“ 52 % der Wähler setzen noch auf Ministerpräsident Geert Bourgeois (N-VA).

Auf der Beliebtheitsskale der Politiker bleibt unangefochten Bundesgesundheitsministerin Maggie De Block (Open VLD) an der Spitze, denn sie überzeugt mit ihrer Arbeit Wähler aller Parteien. Ihr folgen Vizepremier-, Arbeits- und Verbraucherschutzminister Kris Peeters (CD&V) und N-VA-Parteichef Bart De Wever, gleichzeitig auch Bürgermeister von Antwerpen auf den Plätzen 2 und 3.

Andere Umfragethemen

In Zeiten von Terrorangst und ständig angespannter Sicherheitslage sprechen sich 64 % der befragten Flamen aus Flandern und Brüssel dafür aus, dass die Polizei Terrorverdächtige auch ohne Haftbefehl verhaften sollen dürfen. 

17 % der Angesprochenen könnte sich durchaus ein Verbot des Islam in Belgien vorstellen. Aber, 50 % der Befragten sehen Einwanderer aus moslemischen Ländern als Bereicherung unserer Kultur an. 91 % der Befragten sprechen sich dafür aus, öffentliche Sympathiebekundungen für Terroristen streng zu ahnden und 67 % haben kein Problem damit, in Geschäften von Frauen bedient zu werden, die ein Kopftuch tragen.

Methode

Die Umfrage im Auftrag von VRT (flämischer öffentlich-rechtlicher Rundfunk) und der Tageszeitung De Standaard wurde von TNS Media durchgeführt. TNS befragte 1.013 wahlberechtigte Flamen in Flandern und Brüssel im Zeitraum zwischen dem 14. September 2016 und dem 3. Oktober 2016.