Messerstecher von Schaarbeek kein Terrorist?

Der Mann, der in der vergangenen Woche im Brüsseler Stadtteil Schaarbeek zwei Polizisten mit Messerstichen und einen weiteren Beamten mit Faustschlägen verletzt hat, handelte nicht aus terroristischen Gründen, sondern aus Hass gegen die Polizei. Die Anwältin des in U-Haft befindlichen Mannes forderte jetzt dessen Freilassung.

Hicham D., der Mann der am vergangenen Mittwoch in Schaarbeek zwei Polizisten mit einem Messer niedergestochen hatte und danach bei seiner Verhaftung durch weitere Beamten einem davon mit einem Schlag ins Gesicht die Nase brach, handelte offenbar nicht aus terroristischen Gründen.

Nach Angaben seiner Anwältin steht dieser Vorfall in Zusammenhang mit einem Verkehrsunfall vor 5 Jahren. Hicham D., ein ehemaliger erfolgreicher Thaiboxer und späterer Thaiboxlehrer musste seine Karriere danach beenden. Damals war er von einem Polizeiwagen angefahren und dabei schwer verletzt worden, weshalb er seinen Sport danach an den Nagel hängen musste.

Seine Anwältin, Aurélie-Anne De Vos, sagte dazu am Montagnachmittag gegenüber der VRT-Nachrichtenredaktion: „Sein Ziel war, sich mit einer Waffe in der Hinterhand mit den Polizeibeamten zu treffen, die ihn damals angefahren hatten. Er wollte mit ihnen, die seit dem nicht gerichtlich verfolgt wurden, reden. Er hatte das Gefühl, dass dies nicht geschehe und wollte gemeinsam mit ihnen diskutieren. Das war sein Ziel.“

Das würde bedeuten, dass Hicham D. kein islamistischer Terrorist ist, wie anfänglich von den Medien gemeldet und dass er sich auch keiner Routinekontrolle durch die Polizei wiedersetzt hatte, wie letzte Woche ebenfalls gemeldet wurde.

Dass er jedoch mit einem Messer bewaffnet eine Konfrontation mit den Polizisten suchte, die ihn vor 5 Jahren mit ihrem Dienstfahrzeug angefahren hatten, konnte nur im Chaos enden. Die Ratskammer von Brüssel muss jetzt entscheiden, ob Hicham D. und dessen ebenfalls verhafteter Bruder in Untersuchungshaft bleiben oder vorläufig auf freien Fuß gesetzt werden können.

Die Justiz hat andere Ansichten

Die Justiz scheint allerdings andere Ansichten zu haben. Doch die Verteidigung beharrt darauf, dass Hicham D. keine direkten Kontakte zu radikalen Milieus habe oder hatte. Seine Anwältin schilderte ihren Mandanten als einen „verwirrten Mann, der nicht wirklich begreift, was er tut“.

Zudem wisse Hicham D. nichts über seinen Bruder, der in der vergangenen Woche ebenfalls verhaftet wurde. Dieser ist offenbar eindeutig wegen terroristischer Aktivitäten festgenommen worden. Doch Hicham D. habe seit Jahren keine Verbindung mehr mit seinem Bruder.