VRT-Reporter sprach mit ehemaligen IS-Kindsoldaten

Der VRT-Kriegsreporter Rudi Vranckx hat in der Gegend um Mossul mit einigen ehemaligen Kindsoldaten gesprochen, die aus dem IS-Gebiet fliehen konnten. "Die Jugendlichen haben Dinge mitgemacht, die unsere Vorstellungskraft übersteigen, doch sie bekommen keine psychologische Begleitung."
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Rudi Vranckx befindet sich in der Nähe der Front in Mossul. In dieser Gegend gibt es verschiedene Flüchtlingslager mit Leuten, die aus IS-Gebieten geflüchtet sind. Der VRT-Reporter sprach in den vergangenen Tagen mit drei ehemaligen IS-Kindsoldaten, die in solchen Flüchtlingslagern untergebracht sind.

"Die jungen Leute leben jetzt einfach wieder bei -manchmal fernen - Verwandten in den Aufnahmelagern. Psychologische Begleitung für die Kinder, die ich gesehen habe, gibt es dort keine. Sie haben jedoch Dinge zu erzählen und mitgemacht, die unsere Vorstellungskraft übersteigen. Da denke ich: Was wird daraus werden?"

Physischer und psychischer Terror

Die Jugendlichen, mit denen Vranckx sprach, sind inzwischen zwischen 15 und 16 Jahre alt. Sie wurden von der Terrormiliz IS entführt als sie 13 - 14 Jahre waren. In den vergangenen eineinhalb Jahren lebten sie in Ausbildungscamps des IS. Sie mussten von Mossul nach Tel Afar ziehen (an der Grenze zwischen dem Irak und Syrien) oder nach Raqqa in Syrien.

"Sie haben sich Demütigungen und Gehirnwäschen unterziehen müssen. Jeden Tag mussten sie ab 6 Uhr morgens abwechselnd mit Militärtraining beten. Einer der jungen Männer erzählte mir, dass er jeden Tag geschlagen und getreten wurde, damit er härter würde. Sie wurden auch mit Keramikkacheln auf den Kopf geschlagen."

Neben physischen Quälereien wurden sie auch psychisch terrorisiert. "Sie bekamen einen Laptop, um sich anzuschauen, wie der IS Menschen exekutiert und dann wurde ihnen erzählt, dass sie das auch lernen müssten. Wenn sie sich weigerten, würden sie selbst getötet."

"Sie sprechen sehr zögerlich und monoton"

Die Misshandlungen haben tiefe Spuren hinterlassen. "Die Jungen sprechen sehr monoton, ohne Betonung und sehr zögerlich. Man weiß nicht, was hinter ihren Köpfen vor sich geht. Sie klagen auch allesamt über Alpträume und schlaflose Nächte."

Eine spezielle Begleitung für traumatisierte Jugendliche gibt es dort nicht. "Das einzige, was jetzt passiert, ist, dass einige Organisationen diese Menschen in den Lagern ausfindig machen und ihre Aussagen registrieren. Es gibt auch Organisationen, die versuchen, dafür zu sorgen, dass ein Transport nach Deutschland organisiert wird, damit sie dort professionell begleitet werden können."