"Tihange abschalten": Klage von 90 Gemeinden

90 Städte und Gemeinden aus Deutschland, den Niederlanden und Luxemburg bereiten eine gerichtliche Klage vor, in der sie die Abschaltung des Pannenreaktors Tihange 2 im gleichnamigen Kernkraftwerk bei Lüttich fordern. In ihrer Klage wollen sie Kraftwerksbetreiber Engie-Electrabel und die belgische Atom-Kontrollbehörde FANC zu diesem Schritt drängen.

Grund für den Schritt der grenznahen Städte und Gemeinden ist auch eine jüngst veröffentliche Studie des Instituts für Sicherheit- und Risikoforschung (ISR) der Universität Wien bezüglich der Risiken bei einem Atomunfall in Tihange.

Ein Gau im 1979 in Betrieb genommenen Reaktor Tihange 2 (der Pannenreaktor mit seinen tausenden Haarrissen in der stählernen Reaktorummantelung) würde 40 bis 60 % der Fläche der Provinzen Limburg (in den Niederlanden und in Flandern) sowie 10 % der Fläche in der Stadt Aachen unbewohnbar machen.

Nach Ansicht von Wolfgang Renneberg, Ex-Chef der deutschen Atomkontrollbehörde, seien die Risiken in den Kernkraftwerken von Tihange und von Doel bei Antwerpen die gleichen.

Bei Engie-Electrabel heißt es in einer Reaktion zu der angekündigten internationalen Klage, die belgischen Kernkraftwerke würden zu den sichersten Anlagen ihrer Art in der Welt gehören.

Unternehmenssprecherin Geetha Keyaert sagte gegenüber den flämischen Tageszeitungen Het Nieuweblad und Het Belang van Limburg: „Wir führen eine große Sicherheitskultur. Unsere Mitarbeiter sind auf Unfallprävention ausgebildet. Schon die kleinsten Zwischenfälle sorgen für einen Stopp der Zentralen“.