Flüchtlinge verlassen Wallonien für Flandern

Immer mehr in Belgien offiziell anerkannte Flüchtlinge, deren Asylersuchen in der Wallonie geregelt wurde, ziehen von dort aus in Richtung Flandern oder Brüssel um. Nach Berichten der flämischen Tageszeitungen Het Nieuwsblad und De Standaard soll bereits jeder dritte dort anerkannte Flüchtling aus Wallonien weggezogen sein.

Rund 9.000 Flüchtlinge haben in der belgischen Region Wallonien einen Asylantrag gestellt und daraufhin Bleiberecht in Belgien erlangt. Doch viele von ihnen, mittlerweile bis zu 3.000, haben Wallonien bereits wieder verlassen, um sich in Flandern oder in der Region Brüssel-Hauptstadt niederzulassen.

Dabei scheinen Brüssel und Antwerpen (Foto) besonders populär zu sein. In der Schelde- und Hafenmetropole Antwerpen ist die Zahl der anerkannten und dort lebenden Flüchtlinge im Laufe von fast anderthalb Jahren von etwa 700 auf mittlerweile rund 3.000 angewachsen.

Die in Belgien umziehenden Flüchtlinge kommen aber nicht nur aus der frankophonen Wallonie, sondern auch aus anderen Provinzen im belgischen Bundesland Flandern, z.B. aus Limburg. Viele Flüchtlinge verlassen ländliche Regionen in Belgien, weil sie sich in den großen Städten einen besseren Zugang zum Arbeitsmarkt versprechen.

Asylbewerber von den belgischen Ausländerbehörden auf das ganze Land verteilt und dürfen die ihnen zugewiesene Ortschaft während ihres Anerkennungsverfahrens nicht verlassen. Erst wenn sie offiziell in Belgien Bleiberecht erlangt haben, gestaltet sich die Wahl des Wohnortes frei.

Thinktank warnt vor neuem Prekariat

Der Wirtschafts-Denktank Itinera warnt davor, dass die letztes Jahr in Belgien angekommenen rund 57.000 Flüchtlinge ohne Zugang zu Arbeit und Bildung zu einer neuen „Unterschicht“ werden können.

Der Thinktank zieht eine Zwischenbilanz der Flüchtlingskrise und stellt fest, dass drei Viertel der Betroffenen nicht ausreichend ausgebildet ist, um hier Chancen am Arbeitsmarkt zu haben. Hinzu kämen langwierige Maßnahmen in unserem Land, die den Weg zu Bildung und Arbeit weiter erschweren würden: Arbeitserlaubnis, Einbürgerung und Diplom- und Ausbildungsanerkennung.

Man müsse jetzt rasch reagieren und auf solche Zwischenetappen verzichten. Das bedeutet für Itinera z.B. raschere Arbeitsvermittlung. Vor Ort würden die Flüchtlinge schneller die Sprache lernen und könnten so schneller integriert werden. Die Behörden und die Arbeitgeberverbände halten die bisher angewandte Herangehensweise aber weiter für den richtigen Weg.