US-Wahl: “Ein schwarzer Tag für Europa”

Der frühere belgische EU-Kommissar Karel De Gucht (Open VLD - Foto) ist der Ansicht, dass die des neuen US-Präsidenten Donald Trump „einen schwarzen Tag“ für Europa darstellt. De Gucht versteht nicht, dass sich Hillary Clinton auf die Themen von Trump eingelassen hatte, wie er gegenüber dem VRT-Sender Radio 1 angab. Auch andere belgische EU-Politiker reagieren eher entsetzt und enttäuscht.

„Wir, die Europäer, halten die grobe Sprache von Trump für einen Skandal, doch die Amerikaner sehen das weniger eng. Einer der größten Fehler von Clinton ist, dass sie sich viel zu weit auf das Terrain von Trump begeben hat. Dadurch ist die Wahl in einer gegenseitigen Beschimpfung ausgeartet.“

In den Augen des früheren EU-Handelskommissars behandelten die US-Wahlen in erster Linie nationale amerikanische Themen: „Einwanderung, radikale Spannungen und das Gefühl der Amerikaner, dass sie zurückgeworfen werden.“

Dennoch werde die Wahl für Trump als neuer US-Präsident auch großen Einfluss auf die internationale Politik haben, erwartet De Gucht: „Das ist ein besonders schwarzer Tag für Europa. Das sieht nicht gut aus und ich bin besorgt. Wir werden wieder viel mehr auf uns selbst zurückfallen und ich habe große Fragen dazu. Sind wir darauf vorbereitet? Können wir damit umgehen, z.B. auf Ebene der Verteidigung oder der Wirtschaft?“

De Gucht gibt zu, dass Europa in der jüngeren Vergangenheit keinen besonders starken Eindruck hinterlassen hat: „Wir müssen unseren Rücken stärken und unsere Positionen gegenüber anderen starken Blöcken abstimmen. Wir stehen vor enormen Herausforderungen.“
 

Thyssen eher enttäuscht

Die belgische EU-Kommissarin für Arbeit und Soziales, die flämische Christdemokratin Marianne Thyssen (CD&V - kl. Foto), ist in erster Linie enttäuscht. Am Mittwochmorgen sagte sie gegenüber Radio 1:

„Sehr schade, eine verpasste Chance. Frau Clinton ist jemand, der bereits bewiesen hat, dass sie es kann. Sie hat Expertise und Erfahrung aufgebaut und sie hat die richtige Haltung. Sie hätte es schaffen können, doch dass das nicht geschehen ist, auch nach einem sexistischen Wahlkampf und einer derartigen Schlammschlacht, ist doppelt schlimm.“