PostNL weist auch zweites Bpost-Angebot zurück

Die niederländische Post, PostNL, hat das Übernahmeangebot der belgischen Post, Bpost, abgelehnt. Die belgische Post hatte vor einigen Wochen zum zweiten Mal aus eigenen Antrieb heraus ein Interesse an einer Fusion mit ihrem niederländischen Konkurrenten angeregt, doch dies stößt dort einmal mehr auf Ablehnung.
foto Peter Hilz (C)

In den Augen von PostNL ist dieses erneute „ungefragte“ Übernahmeangebot von Bpost zu schwach und wurde scheinbar zu keiner Zeit ernstgenommen. Die belgische Post hatte zur Übernahme von PostNL 2,5 Mia. € freimachen wollen, sprich 5,65 € pro Aktie. Dieser Preis für die einzelne Aktie lag um einiges höher als der derzeit an der Amsterdamer Börse gehandelte Wert für PostNL-Anteile.

Nach Bekanntwerden der neuerlichen Übernahmepläne der Belgier war der Börsenkurs der niederländischen Post leicht angestiegen.

Bpost war überzeugt von einem „strategischen Mehrwert einer Fusion“ der beiden Postunternehmen der Nachbarländer und man erhofft sich durch diesen Schritt ein großer Mitspieler am europäischen Markt werden zu können.

Doch in den Niederlanden hielt man sich wieder bedeckt und blieb skeptisch. Nicht zuletzt hatte der niederländische Premierminister Mark Rutte eine Übernahme von PostNL durch Bpost einen „Schritt in die falsche Richtung“ genannt.

Die Gewerkschaften beider Länder reagierten unterschiedlich. Während man in Belgien diese Fusion bei Beibehaltung der Personalstände oder gar bei Neueinstellungen, die Bpost in Aussicht gestellt hatte, eher begrüßte, blieb man in den Niederlanden auch auf Arbeitnehmerseite eher reserviert.

Privatunternehmen vs. halbstaatliche Post

Ein Problem für die Niederländer ist wohl die Tatsache, dass Bpost ein halbstaatliches Unternehmen ist. Der belgische Staat besitzt 50 % plus eine Aktie an der Post. Durch eine Übernahme von PostNL würde diese faktische Mehrheit allerdings hinfällig. Allerdings hatte Belgiens Vizepremier- und Kommunikationsminister Alexander De Croo (Open VLD) angedeutet, dass der belgische Staat beabsichtige, auch nach einer Übernahme des privaten niederländischen Postunternehmens mitreden zu wollen...

Die Börse reagiert… negativ

Nach dem bekannt wurde, dass PostNL auch das zweite freundschaftliche Übernahmeangebot von Bpost verworfen hat, verlor die Aktie der niederländischen Post an der Amsterdamer Börse sofort 4 % ihres Wertes.

Mittlerweile ist aber unwahrscheinlich, dass die belgische Post noch einen dritten Versuch zur Übernahme von Bpost unternehmen wird. Allerdings sucht die halbstaatliche belgische Post weiter nach einer Partnerschaft mit einem ausländischen Mittbewerber. Dies fordern sogar inzwischen die hiesigen Gewerkschaften.

Auch sie haben bemerkt, wie rasant sich das Geschäft mit dem Verschicken von Briefen und Paketen derzeit verändert. In Belgien ist die Zahl der einfachen Briefe z.B. weiter drastisch gesunken.

Fachleute sind weiter der Ansicht, dass sich eine Partnerschaft der Postunternehmen in den BeNeLux-Ländern als Reaktion auf die Umstände am Markt derzeit regelrecht aufdränge.