Osama Atar: "Ich bin nicht der Kopf der Anschläge!"

Der mutmaßliche IS-Terrorist Osama Atar (Foto) gilt derzeit als einer der meistgesuchten Personen Belgiens. Polizei und Justiz gehen davon aus, dass Atar organisatorisch hinter den Anschlägen von Paris und Brüssel sitzt. Doch jetzt kam ein Brief ans Tageslicht, in dem er seiner Mutter schreibt, dass er mit den Anschlägen nichts zu tun habe. Er werde überdies nie mehr nach Europa zurückkehren.

Osama Atar ist 32 Jahre alt, belgischer Staatsangehöriger marokkanischer Herkunft und ein Vetter der beiden Terrorbrüder El Bakraoui. Seit einiger Zeit gehen die Ermittler davon aus, dass sich hinter ihm der mit Tarnnamen „Abou Ahmed“ genannte Top-Terrorist verbirgt, der die Anschläge von Brüssel und Paris geplant hat. Osama „Abou Ahmed“ Atar soll dabei von Syrien aus operiert haben.

Doch jetzt veröffentlichte die frankophone belgische Tageszeitung La Dernière Heure einen Brief, den Atar vor einiger Zeit an seine Mutter geschrieben haben soll. Darin heißt es: „Es sind Lügen und Lästereien, die in den Medien in der letzten Zeit über mich erschienen sind. Nein, ich bin nicht der Kopf hinter den Anschlägen und ich war nicht auf der Höhe dessen, was Brahim und Khalid (die Gebrüder Bakraoui, die sich in Zaventem und Maalbeek selbst in die Luft gesprengt hatten (A.d.R.)) geplant hatten. Ich bin kein Osama Bin Laden und ich bin auch nicht die rechte Hand von Abou Bakr al-Baghdadi (der Leiter der Terrororganisation IS (A.d.R.)). Die Hunde wissen dies nur allzu gut.“

Weiter erzählte Atar seiner Mutter brieflich, dass es ihm sehr gut gehe und dass sein Sohn rasch größer werde. Doch nach Europa werde er nicht mehr zurückkehren: „Ich komme nicht mehr zurück, nach dem mich Allah vor diesen Kriminellen gerettet hat. Die Hunde wissen nur allzu gut, wo ich mich befinde, also warum all diese Lügen und dieser Kampf gegenüber Euch, meiner Familie? Sie wollen mir nur so viel Schaden wie möglich zufügen, weil diese Hunde nicht verkraften, dass ich ihrer Zelle entkommen bin.“

Rasterfahndung? Durchs Raster gefallen!

Atar gibt an, aus Belgien abgehauen zu sein, weil ihn die Justiz hier ihn wiederholt vor Gericht stellen wollte. Osama Atar war 2005 im Irak wegen Waffenhandel festgenommen worden, wurde aber auf Drängen der belgischen Bundesregierung - er hat ja die belgische Staatsangehörigkeit - in seine Heimat abgeschoben. Da die belgischen Behörden ihm angeblich garantiert haben, dass er hier juristisch nichts zu befürchten habe, wollte er ursprünglich in Belgien ein Geschäft eröffnen.

Doch dann kamen die Anschläge auf Brüssel am 22. März 2016 und im Zuge der Ermittlungen stießen Polizei und Justiz auf dessen verwandtschaftliche Beziehung zu den Selbstmordattentätern El Bakraoui. Sie zählten eins und eins zusammen, beleuchteten erneut seine Verurteilung wegen Waffenhandels im Irak und Atar wurde sogleich auf eine Liste mit dringend gesuchten Terroristen der Sicherheits- und Nachrichtendienste gesetzt.

Seit dieser Zeit wurde aktiv in Belgien nach Osama Atar gesucht, wobei es in dessen Umgebung vor allem in Brüssel zu mehreren Hausdurchsuchungen kam. Offenbar jedoch gelang Atar am 12. August die Flucht, nach dem er einer solchen Razzia entgehen konnte.