Schlossmord: Peter Gyselbrecht abgeführt

Peter Gyselbrecht, der Sohn des Arztes André Gyselbrecht und Mitverdächtiger im so genannten Schlossmord-Fall, ist erneut festgenommen worden. Am gestrigen Montag hatte er gestanden, der VRT die Mitschnitte der Telefongespräche zugespielt zu haben. Am heutigen Dienstag beugt sich die Ratskammer in Brügge über den Fall. Mit einer Entscheidung darüber, ob der Fall vor einem Straf- oder einem Schwurgericht verhandelt wird, ist erst am Donnerstag zu rechnen.

Gyselbrecht hat zugegeben, dass er die Mitschnitte selbst der Presse zuspielte. Nach eigenen Aussagen habe er dies aus "Hilflosigkeit" getan und "um seine Unschuld zu beweisen".

Auf den Mitschnitten der Telefongespräche ist zu hören, dass die Familie Saelens während der Ermittlungen nach dem Schlossmord Kontakt zur Brügger Staatsanwaltschaft und zu Justizbeamten suchte.

Die Familie Saelens soll auf diese Weise versucht haben, Einfluss auf die laufenden Untersuchungen zu nehmen.

Peter Gyselbrecht ist die ganze Nacht verhört worden. Er hat sich selbst mit einem Bericht an die Presse gewandt. Darin gibt er zu, besagte Telefonmitschnitte der VRT zugespielt zu haben. "Ich und nur ich habe der VRT-Redaktion die Mitschnitte besorgt. Ich habe dies aus eigenen Stücken getan, ohne dass mein Vater André Gyselbrecht davon wusste", heißt es.

Das Gericht untersucht nun, ob hier Mißbrauch des Einsichtsrechts vorliegt. Als Verdächtiger in dem Fall hat Gyselbrecht Einsicht in die Akte. Informationen daraus an die Öffentlichkeit durchsickern zu lassen, ist strafbar. Gyselbrecht riskiert hierfür bis zu einem Jahr Gefängnis.

Er ist am gestrigen Montagabend festgenommen worden und wird an diesem Dienstagnachmittag dem Untersuchungsrichter vorgeführt. Dieser entscheidet über eine weitere Untersuchungshaft.

2012 saß Peter Gyselbrecht wegen seiner möglichen Verwicklung in den Schlossmord bereits ein halbes Jahr in Untersuchungshaft.

Vor ein Schwurgericht oder nicht?

An diesem Dienstag beugt sich die Ratskammer über die Frage, ob der Fall vor einem Schwurgericht oder einem Strafgericht verhandelt wird.

Die Staatsanwaltschaft von Westflandern will die fünf Verdächtigen vor ein Strafgericht bringen. Die Verteidigung von André Gyselbrecht strebt ein Verfahren vor dem Schwurgericht an. Mit einer Entscheidung für diesen Dienstag wird jedoch nicht mehr gerechnet.

Es wird davon ausgegangen, dass die Entscheidung hierzu erst am Donnerstag fällt.