Besuch im modernisierten Plantin-Moretus-Museum

Seit Ende September 2016 ist das Plantin-Moretus-Museum in Antwerpen nach umfassender Renovierung wieder offen. Dieses Museum, das sich der 1555 gegründeten ersten kommerziellen Druckerei der Weltgeschichte und dessen Gründervater, Christophe Plantin, widmet, wurde 2005 als erstes Museum überhaupt in die UNESCO-Liste für das Weltkultur- und Dokumentenerbe aufgenommen. Der Stadtpalast der Familie Plantin-Moretus zählt zu den eindrucksvollsten Gebäuden aus dem 16. Jhdt. in Antwerpen.

Das Plantin-Moretus-Museum am Vrijdagmarkt im Herzen der Antwerpener Altstadt beherbergt die beiden wohl ältesten Druckerpressen der Welt. Sie stammen aus dem Jahr 1600. Zudem sind dort unzählige Bücher, Stiche, Zeichnungen, Gemälde und Druckerei-Erzeugnisse aller Art zu entdecken.

Durch die umfassende Renovierung des Museums ist der Besuch dieser Institution, die zu den absoluten historischen und touristischen Highlights der Scheldemetropole Antwerpen gehört, auch der heutigen Zeit angepasst. Neben aller historischen Pracht ist nach der dreimonatigen Schließung im Rahmen der Modernisierung einiges heute auch virtuell zu erleben.

Ein solches deutlich von Renaissance und Barock geprägtes Museum, das zudem auch unter Denkmalschutz steht und das zum UNESCO-Welterbe gehört, zeitgemäß zu gestalten, war gewiss kein leichtes Unterfangen, doch über Schaukästen, über Bildschirme, die virtuelle Möglichkeiten bieten oder über die von Schauspielern dargestellte Ereignisse abrufbar sind, schafft das Plantin-Moretus-Museum den Sprung in die Moderne.


Aber, ein bedauerliches Problem, das auch dem Denkmalschutz geschuldet ist, bleibt bestehen: Das oberste Stockwerk des Gebäudes ist für Rollstuhlnutzer nicht zugänglich…

Reiche Familiengeschichte

Viel Raum wird der Geschichte der Familien Plantin und Moretus eingeräumt. Das hat seinen Grund, denn eine jede Generation hat die Arbeit dieser historischen Druckerei geprägt - zum Teil sogar wesentlich. Und die Internationalität der Familie, die teilweise aus Frankreich stammte, tat ihr übriges, um im Laufe der Generationen auch Kunden aus aller Welt beliefern zu können.

Neben der umfassenden Familiengeschichte, die auch über wunderbare Gemälde nachzuvollziehen ist, zeigen zahlreiche historische Druckerpressen und Maschinen, wie damals was gedruckt wurde. Setzkästen mit Buchstaben in allen Formen, aus allen Zeiten und in allen Sprachen unterstreichen die Arbeit in den Werkstätten über die Jahrhunderte hinweg eindrucksvoll.

Doch was wäre eine historische Druckerei mit jahrhundertealter Tradition ohne ihre Erzeugnisse. Richtig! Nichts! Das Plantin-Moretus-Museum weist mit seiner eindrucksvollen Sammlung an Büchern aus eigener Produktion ein wohn einmaliges Zeugnis seiner Leistung auf und alleine die Sammlung Bibeln, Atlanten, Wörterbüchern, anatomischen und biologischen Werken, Handschriften und wissenschaftlichen Büchern sucht wohl ihres gleichen.

Sprachen, Farben und Bilder

Nachvollziehen lassen sich hier auch der Gebrauch und die Entwicklung der Farben in der Geschichte der Druckerei und der Druckkunst. Und auch der Druck von Bildern zu Zeiten, in denen an Fotographie nicht zu denken war, hinterlässt im Plantin-Moretus-Museum große Eindrücke. Ähnliches Arbeiten kennen heute wohl nur noch jene Künstler, die sich der Druckkunst widmen, denn außer mit der Verwendung bestimmter moderner chemischer Hilfsmittel hat sich diese Art der Reproduktion bis dato kaum verändert.

Die Plantin-Moretus-Druckerei nahm im Laufe der Zeit auch viele Aufträge aus dem Ausland an, was zum einen natürlich eine korrekte Übersetzer- und Sprachanwendung erforderte. Und Auftraggeber aus Asien, aus Arabien oder aus dem slawischen Raum verlangten zudem die Erstellung von Buchstaben und Schriftzeichen, die völlig anders waren, als die in Westeuropa gebräuchlichen Lettern. Doch all dies war für Christoffel Plantin und seine Nachkommen im Laufe der Zeit kein Problem, wie das Museum durch seine Exponate ebenfalls unterstreicht.

Wer nach seinen Rundgang durch das Plantin-Moretus-Museum in Antwerpen, für den gut und gerne zwei Stunden veranschlagt werden können, der kann sich danach in den umfassenden Bibliotheken des Hauses umsehen: Hier zeugen tausende Bücher aller Art von der Geschichte der ältesten industriellen Druckerei der Welt.

Mehr Info:

Plantin-Moretus-Museum
Vrijdagmarkt 22-23,
2000 Antwerpen
www.museumplantinmoretus.be