"Schlossmord": Ermittlung gegen VRT-Journalisten

In Zusammenhang mit dem sogenannten “Schlossmord” in Wingene und der Veröffentlichung von Telefongesprächen zwischen Verdächtigen, die in der VRT-TV-Sendung „Terzake“ ausgestrahlt wurden, hat die zuständige Staatsanwaltschaft die Wohnung unseres Kollegen Bart Aerts durchsucht und u.a. dessen Handy beschlagnahmt. Dagegen protestiert nicht nur unser Haus, sondern auch der flämische Journalistenverband VVJ.
Nicolas Maeterlinck

Die Tatsache, dass die im „Schlossmord“ von Wingene ermittelnde Staatsanwaltschaft von Brügge Das Smartphone von VRT-Kollege Bart Aerts beschlagnahmte, stellt einen gravierenden Verstoß gegen das Quellengeheimnis von Journalisten dar, sagt Pol Deltour, der Generalsekretär der Flämischen Journalistenvereinigung VVJ:

„Dies dient dazu, dass die Ermittler alle Kommunikationen, die er hatte, nachvollziehen können, auch die vertraulichen Quellen. Journalisten haben ein Recht auf Schutz ihrer vertraulichen Quellen. Das Gesetz zum journalistischen Quellengeheimnis aus dem Jahr 2005 ist hier sehr deutlich, doch wir müssen feststellen, dass dieses Gesetz hier nicht angewendet wird.“

Nach Ansicht von VVJ-Generalsekretär Deltour hat der Untersuchungsrichter in Brügge jetzt ein Problem: „Er wird wahrscheinlich sagen, dass sich die Quelle (Peter Gyselbrecht, einer der Hauptverdächtigen im Mordfall am Schlossherren Stijn Staelens Ende Januar 2012 (A.d.R.)) selbst zu erkennen gab. Wenn der Journalist aber sagt, dass er seine Quelle nicht bekanntgibt, dann endet die Sache hier.“

"Enormer Schaden für den Journalisten"

Unser Haus, der öffentlich-rechtliche Rundfunk des belgischen Bundeslandes Flandern, VRT, protestierte scharf gegen die Vorgehensweise von Polizei und Justiz gegen ihren Journalisten Bart Aerts und reichte eine Forderung beim Untersuchungsrichter von Brügge ein, um die Freigabe des Smartphones des Kollegen zu erreichen. Deltour sagt dazu, er hoffen dass Aerts sein Mobiltelefon so schnell wie möglich zurückbekommt, „sonst ist er technisch arbeitslos, auch wenn sich die Frage stellt, was er jetzt noch mit seinem Gerät tun kann.“

„Der Schaden für Bart Aerts als Journalist ist enorm. Welche vertrauliche Quelle würde ihn jetzt noch kontaktieren, wenn seine Identität so einfach bloßgestellt werden kann.“ Der flämische Journalistenverband kündigte an, den Vorgang bis auf die höchste Ebene zu bringen und wird auch den zuständigen Minister ansprechen. Der VVJ wird Aerts in jeder Hinsicht Rückendeckung bieten.

Der Fall kommt vor ein Schwurgericht

Am Donnerstag wurde bekannt, dass der „Schlossmord“ vor ein Schwurgericht kommen soll und nicht vor ein Strafgericht. Die Ratskammer von Brügge hat dazu vier Verdächtige an die Geschworenenkammer verwiesen. Auffallend dabei ist, dass Peter Gyselbrecht, der Sohn des mutmaßlichen Auftraggebers, nicht darunter ist.

Gegen die Tatsache, dass Peter Gyselbrecht (der Schwager des getöteten Stijn Staelens) nicht vor dem Schwurgericht erscheinen muss, legt die Staatsanwaltschaft Westflandern, Abteilung Brügge, allerdings Berufung ein. Gyselbracht war Anfang der Woche verhaftet worden, weil er geheime Informationen aus dem Ermittlungsdossier (mitgeschnittene Telefongespräche) an die Presse weitergegeben hatte. Daraus war zu vernehmen, dass die in den Fall verwickelten Familien Kontakt zu juristischen Stellen aufgenommen hatten. Für diese Tat riskiert Peter Gyselbrecht bis zu ein Jahr Haft.