"Sex ohne Zustimmung ist Vergewaltigung"

Als "verwirrend" bezeichnet Belgiens Staatssekretärin für Chancengleichheit, Elke Sleurs, die Zahlen zur Einstellung der Belgier gegenüber "Geschlechtsverkehr ohne Zustimmung." Eine Untersuchung der Europäischen Kommission hatte ergeben, dass 40 Prozent der Befragten in Belgien der Meinung ist, dass Sex ohne Zustimmung in bestimmten Situationen und unter bestimmten Umständen zu rechtfertigen sei. Im Vergleich hierzu ist 27 Prozent im Durchschnitt in Europa dieser Meinung.

Laut Umfrage findet einer von fünf Befragten in Belgien, dass Sex ohne Zustimmung im Falle von Alkoholeinfluss toleriert werden könne. 16 Prozent ist zudem der Auffassung, dass sexuelle Gewalt gerechtfertigt sei, wenn das Opfer aufreizende Kleidung trage. Und 14 Prozent hält Vergewaltigung für vertretbar, wenn sich das Opfer physisch nicht wehrt oder nicht ausdrücklich "nein" sagt.

Elke Sleurs ist der Auffassung, dass Geschlechtsverkehr ohne vorherige Zustimmung in keinem Fall zu tolerieren sei. "Sex ohne Zustimmung ist Vergewaltigung", betonte die Staatssekretärin.

Vergewaltigungen erfolgten meistens nicht impulsiv, sondern mit Vorsatz. Vergewaltigung sei Sex auf nicht freiwilliger Basis. "Er ist brutal und erfolgt unter Androhung von Gewalt oder Manipulation", führte Sleurs weiter aus.

Die Zahlen zeigten, dass bestimmte Mythen aus verschiedenen Gründen noch immer gegenwärtig seien.

Es seien deshalb nicht nur politische Initiativen nötig, sondern ein Engagement der gesamten Gesellschaft. Die N-VA-Politikerin hat inzwischen eine Kampagne ins Leben gerufen, die sich vor allem an Studenten richtet und um den Begriff "Zustimmung" dreht. Studenten werden dazu ermutigt, selbst einen Vorschlag auszuarbeiten und bei der Regierung einzureichen.

Physische Gewalt gegen Frauen und Männer ist ein Verstoß gegen die Menschenrechte. "Toleranz von sexueller Gewalt dürfen wir nicht tolerieren!"

Insbesonere Frauen suchen die Schuld bei sich selbst

Auffallend: Mehr Frauen als Männer sind mit der Haltung einverstanden, dass Vergewaltigung, falls sie unter Einfluss von Alkohol erfolgt oder wenn das Opfer aufreizende Kleider trägt, vertretbar sei. "Da Frauen besonders gefährdet sind, sind sie eher geneigt die Schuld beim Opfer zu suchen", erklärt Liesbet Stevens vom Institut für Chancengleichheit von Männern und Frauen.

"Damit nähren sie die Illusion, dass sie durch ihr Verhalten vermeiden könnten, Opfer zu werden", führt Stevens aus.