Vor 100 Jahren starb der "Dichter des Vaterlands"

Am 27. November 1916 verunglückte im französischen Rouen der belgische Dichter Emile Adolphe Gustave Verhaeren. Mit seiner symbolistischen, großstädtischen und sozial engagierten Lyrik galt er als einer der berühmtesten Autoren seiner Zeit. Zu seinen Bewunderern gehörten Rainer Maria Rilke und Stefan Zweig. Viele Veranstaltungen erinnern an seinen Tod.

Emile Verhaeren wurde am 21. Mai 1855 in der Nähe von Antwerpen im Schelde-Dorf Sint-Amands als Sohn wohlhabender Eltern geboren. In der Familie wurde Französisch gesprochen, aber Verhaeren beherrschte auch einen flämische-niederländischen Dialekt.

Schon 1876 veröffentlichte der Dichter in der Monatszeitschrift Revue générale sein erstes Gedicht: „Plus de poètes“. Es dauerte aber weitere sieben Jahre, bis sein Debüt erschien: „Les Flamandes“. Die Sammlung mit realistisch-naturalistischen Gedichten über seine flämischen Heimat wurde von der Avantgarde begeistert aufgenommen, sorgte aber in Flandern für einen Skandal.

Der endgültige Durchbruch erfolgte erste 1893 mit der Sammlung „Les Campagnes hallucinées“ und der wurde bestätigt mit „Les Villages illusoires“ (mit seinem berühmtesten Gedicht „Le Passeur d’eau“) und 1896 mit seiner wahrscheinlich erfolgreichsten Gedichtsammlung „Les Heure Claires“.

Die Titelseite von Les Heures Claires, der berühmten Sammlung von Liebesgedichten die Verhaeren für seine Frau, die Malerin Marthe Massin, verfasste. Lesen sie hier die Übersetzung von Stefan Zweig.

Internationaler Ruhm

1900 erhielt Verhaeren den dreijährlichen Staatspreis für dramatische französische Lyrik für sein Theaterstück „Le Cloître“ und 1903 des fünfjährlichen Staatspreis für französischsprachige Literatur für die Gedichtsammlung „Les Visages de la Vie“.

International war Verhaeren in der Literaturszene eine Berühmtheit. 1908 wurde er zum ersten Mal als Nobelpreis-Kandidat gehandelt. Schlussendlich war es aber der ebenfalls Französisch schreibende belgische Autor Maurice Maeterlinck, der den Nobelpreis 2011 erhielt.

Sein Werk wurde weltweit übersetzt und besprochen. Er selbst reiste für Lesungen und Vorträge durch große Teile Europas. Viele Künstler, Dichter und Schriftsteller wie Georges Seurat, Paul Signac, Auguste Rodin, Edgar Degas, August Vermeylen, Henry van de Velde, Maurice Maeterlinck, Stéphane Mallarmé, André Gide, Rainer Maria Rilke, Gostan Zarian und Stefan Zweig bewunderten ihn, korrespondierten mit ihm, suchten seine Nähe und übersetzten seine Werke. Er beeinflusste auch die Künstler des Futurismus (Quelle: Wikipedia)

Verhaeren in seiner Pariser Wohnung

Veranstaltungen zum Verhaeren-Jahr

Verhaerens Geburtsdorf Sint-Amands und das dortige Verhaerenmuseum organisieren zahlreiche Veranstaltungen.

„Escaut!Escaut!“ ist eine Ausstellung im Antwerpener Letterenhuis (Literaturhaus), die noch bis Ende Januar Emile Verhaeren und vier weiteren flämischen Autoren, die in Französisch schrieben, gewidmet ist.

Im Museum für Schöne Künste in Gent läuft noch bis Mitte Januar die Ausstellung „Verhaeren Verbeeld“. Der Schriftsteller-Kunstkritiker und die Kunst seiner Zeit.

In der Küstenstadt De Panne dokumentiert die Ausstellung „Elisabeth, de kunstzinnige koningin“ (dt.: Elisabeth, die kunstverständige Königin), die Beziehung Verhaerens zum Königshaus und seine Arbeit während des ersten Weltkriegs.

Theo Van Rysselberghe, Die Lesung von Emile Verhaeren, 1903 (Museum für Schöne Künste, Gent)