Flandern: Was ist, wenn die Deiche brechen?

In diesen Tagen ist in unserem Haus, dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk des belgischen Bundeslandes Flandern (VRT), eine TV-Serie angelaufen, die den bedrohlichen Titel „Als de dijken breken - Wenn die Deiche brechen“ trägt. Diese sechsteilige fiktive Fernsehreihe, die unser Haus in Kooperation mit einem niederländischen Produktionshaus umsetzte, soll aufzeigen, wie eine Sturmflut die „Niederen Lande“ auch heute noch treffen kann.

Arbeiten, die die flämische Nordseeküste und ihre Städte und Häfen vor einer Sturmflut schützen sollen, werden wohl noch bis 2050 laufen. Doch nach Ansicht von Fachleuten ist die Küstenregion derzeit nicht sicher genug, um einem Jahrtausendsturm mit 8 Meter hohen Wellen, Orkanwinden und heftigem Dauerregen, wie ihn die TV-Serie „Als de dijken breken“ zeigt, die Stirn zu bieten.

Theoretisch ist solch ein Sturm jederzeit möglich und schon jetzt wird weltweit ein leichter aber dauerhafter Anstieg der Meeresspiegel festgestellt, wohl ein untrügliches Zeichen für einen Klimawandel.

Patrick Peeters vom flämischen Laboratorium für Wasserbaukunde sagte dazu gegenüber der flämischen Tageszeitung De Morgen, das Schleusen, Fluttore und Sperrwerke oder auch Deiche und Dünen durchaus brechen könnten: „Im unwahrscheinlichen Fall, dass alle Schwachpunkte an unserer Küste gleichzeitig nachgeben würden, stünde die Hälfte von Westflandern unter Wasser.“

In der Sturmnacht des 1. Februars 1951 machte das heutige belgische Bundesland Flandern schon einmal mit, was dann geschehen könnte, wenn auch auf deutlich kleinerer Ebene. In dieser Nacht kamen in der niederländischen Provinz Zeeland rund 1.800 Menschen ums Leben und in einigen betroffenen Landesteilen in belgischer Grenznähe noch einmal 28.

Delta-Plan

Danach haben die Niederländer mit ihrem Delta-Plan massiv damit angefangen, ihre Küstenprovinzen Nord- und Süd-Holland vor der See zu schützen. In Belgien, bzw. in Flandern vollzog und vollzieht sich dieser Schritt aber nur langsam. Peter De Wolf, Ingenieur an der flämischen Agentur für Maritime Dienstleistung und Küste (MDK), erinnert an einige Feststellungen, die vor nicht allzu langer Zeit gemacht wurden.

© VRT 2016

Gegenüber De Morgen sagte er: „Im Jahr 2007 wurde deutlich, dass ungefähr ein Drittel unserer Küste und die vier Küstenhäfen Schwachpunkte waren. Sie entsprachen nicht der Schutznorm, die Wasserbau-Experten für die flämische Küste ausgearbeitet hatten.“

Regisseur Hans Herbots gelangen für die flämisch-niederländische TV-Serie „Als de dijken breken“ spektakuläre Bilder, die natürlich zu einem großen Teil mit Spezialeffekten am Computer entstanden. Die Story spielt vor dem Hintergrund eines Bruchs der Delta-Plan-Flutschutz-Anlagen in den Niederlanden, die sowohl die niederländische Region Randstad, als auch die belgische Küstenregion nach schweren Stürmen überflutet.

Diese beklemmenden Bilder sorgten am Montagabend bei den flämischen Fernsehzuschauern für nachdenkliche Augenblicke. Ob diese TV-Serie auch die Planer in Sachen Küstensicherheit aufwühlen kann, sei dahingestellt. Und doch bleibt das Ganze ein Problem, was eher mittel- als langfristig eine Lösung braucht. Übrigens, am Montagabend verfolgten rund 1 Mio. Zuschauer den ersten Teil von "Als de dijken breken" in unseren ersten TV-Programm één.

Masterplan Küstensicherheit

Die flämische Landesregierung stimmte 2011 über den „Masterplan Küstensicherheit“ ab, mit dem die Küste bis 2050 vor Hochwasser und Sturmflut geschützt werden soll. Im Zeitraum 2020 bis 2050 soll dies der Fall sein und dabei gehen die Behörden und die Planer von einem Anstieg des Meeresspiegels in unseren Breitengraden von bis zu 30 cm aus. Schon jetzt wurden die Stände mit zusätzlichen 6 Mio. Kubikmetern Sand erhöht und verstärkt.

Alle betroffenen Behörden denken aber bereits weiter in die Zukunft und halten die Entwicklung genau im Auge. Bis 2100 soll mit einem Meeresspiegel zu rechnen sein, der rund 80 cm höher liegt, als heute. Zwei große Schwachpunkte können aber kaum vor 2019 abgesichert werden: Der Hafen von Nieuwpoort und der Jachthafen von Blankenberge bleiben wohl bis dahin die Achillesferse der Küstensicherheit…