De Lijn: Rechtsstreit um flämischen Megaauftrag

Nachdem die flämische Nahverkehrsgesellschaft De Lijn einen Megaauftrag für den Bau von neuen Straßenbahnen an den spanischen Bahnhersteller CAF vergeben hatte, zog der im Wettbewerb unterlegene Schienenfahrzeughersteller Bombardier in Brügge vor den Staatsrat. Dieser hob jetzt den CAF-Auftrag von De Lijn auf.

Ende Oktober wurde bekannt, dass De Lijn einen Riesenauftrag für den Bau von 146 Trams für das flämische Nahverkehrsnetz nicht an den heimischen Hersteller Bombardier vergeben hat, sondern an den spanischen Konkurrenten CAF. Bei Bombardier hatte man auf diesen Auftrag gezählt und zog nach der entgangenen Auftragsvergabe vor den Staatsrat.

Die neuen Trams sollen mittelfristig einen Großteil der alten Flotte der regionalen flämischen Nahverkehrsgesellschaft De Lijn ersetzen, doch der Auftrag enthält auch den Bau von zusätzlichen Straßenbahnzügen, die bei der Küstentram sowie in Gent und in Antwerpen zum Einsatz kommen sollen. Dieser Auftrag beläuft sich auf eine Gesamtsumme von 320 Mio. € und ist der größte entsprechende Auftrag, der bisher in Flandern vergeben wurde.

Bombardier braucht diesen Auftrag, denn noch immer schwebt das Damokles-Schwert des kanadischen Mutterhauses über der Filiale in Brügge, dass die Schließung des Werks bei ausbleibenden Aufträgen bedeuten könnte. Der Staatsrat in Brüssel urteilte jetzt, dass die beiden um den Auftrag ringenden Hersteller Bombardier und CAF von De Lijn nicht gleich behandelt worden sind.

Unterhalt

Dabei handelt es sich um den Bereich des Vertrags, der den präventiven Unterhalt der noch zu bauenden Trams nach der Fertigstellung betrifft. Hier ist der Staatsrat der Ansicht, dass die im Angebot enthaltene realistische Einschätzung der präventiven Unterhaltskosten im Gesamtvolumen des Auftrags fraglich ist, obschon auch diese Kosten den eigentlichen Preis entscheidend beeinflussen. Bei Bombardier zeigte man sich mit dem Urteil des Staatsrates zufrieden. Bei De Lijn und bei CAF wollte man sich zur Sache (noch) nicht äußern.