Belgien: Preise steigen schneller als Einkommen

In den vergangenen beiden Jahren sind die Löhne und Gehälter in den meisten europäischen Ländern schneller angestiegen als die Preise. In Belgien ist dies allerdings nicht der Fall, wie eine Studie der gewerkschaftsnahem deutschen Hans-Böckler-Stiftung ergeben hat. Neben Belgien hinken die Einkommen den Preisen nur noch in Griechenland und in Portugal hinterher.
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In den meisten EU-Ländern steigen die Löhne zurzeit schneller als die Preise. Sowohl 2015 als auch 2016 sei es mit der Kaufkraft der Arbeitnehmer in der EU parallel zur moderaten wirtschaftlichen Erholung wieder bergauf gegangen, heißt es in einem am Mittwoch veröffentlichten Europäischen Tarifbericht des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung.

Demnach stiegen die Reallöhne 2015 im Durchschnitt der 28 EU-Staaten um 1,4 %. In diesem Jahr wird mit einem Plus von 1,7 % gerechnet. Hauptgrund für die positive Entwicklung der Löhne sei die extrem niedrige Inflation. In 11 der 28 EU-Mitgliedsstaaten sorgte eine leichte Deflation sogar für sinkende Preise.

Belgien stellt in dieser Hinsicht eine Ausnahme dar, denn im Jahr 2015 sanken die realen Einkommen hier um 0,5 %. Für dieses Jahr noch gehen die WSI-Wissenschaftler sogar für unser Land von bis zu 0,9 % sinkenden Löhnen und Gehältern. Das ist der stärkste Negativwert in der gesamten Europäischen Union. Trotz einem nominalen Einkommensanstieg um 0,1 % 2015 und um 0,7 % im laufenden Jahr sorgt die relativ hohe Inflation in Belgien letztendlich für einen negativen Effekt.

In den Nachbarländern Belgiens sieht die Sache aber anders aus, wie die WSI-Studie der Hans-Böckler-Stiftung belegt. In Deutschland stiegen die realen Löhne und Gehälter 2015 um 2,6 % und um 2,2 ù im laufenden Jahr. In Frankreich liegt dieser Wert bei +1,1 % respektive +1 % und in den Niederlanden um +0,2 % bzw. + 1,4 %. Nach Ansicht der Wissenschaftler liegt einer der Gründe für diese Effekte bei der anhaltenden Lohnmäßigung in der Europäischen Union, was wiederum auch die Nachfrage und die Kaufkraft schwäche.