Raumordnung Flandern: "Betonstop" ab 2040

Die flämische Landesregierung hat am Mittwochabend ein Abkommen erzielt, nach dem ab 2040 keine bis dahin unberührte Flächen mehr bebaut werden dürfen. Ab diesem Zeitpunkt darf nur noch auf schon verwendeten Grundstücken gebaut werden. Diese Maßnahme geht hier in Flandern als der sogenannte „Betonstop“ durch.

Dieser „Betonstop“ in Flandern wird stufenweise eingeführt. Ab 2025 z.B. dürfen nicht mehr mehr als 3 Hektar offene Fläche pro Tag bebaut werden. Derzeit liegt dieser Wert noch bei rund 6 Hektar täglich. Diese Regelung betrifft bei weitem nicht nur große Projektentwickler in Flandern, sondern auch die kleinen privaten Grundstücksbesitzer.

Doch Flanderns Raumordnungsministerin Joke Schauvliege (CD&V - kl. Foto) beruhigte die Flamen am Donnerstagmorgen im VRT-Frühstücksradio: „Wer heute eine Parzelle oder ein Grundstück besitzt, dass im Raumordnungsplan als Baugrundstück ausgewiesen ist, der hat kein Problem.

Unbebaute Zonen, die die flämischen Behörden als sogenannte „Reservezonen“ ausgewiesen haben, können allerdings ihren Status geändert sehen, denn es sollen auch zusätzliche Naturschutzgebiete und andere grüne Zonen eingerichtet werden. Auch hierauf reagierte Ministerin Schauvliege gegenüber der VRT-Nachrichtenredaktion: „Wenn für solche Zonen konkrete andere Pläne vorliegen, dann muss darüber im Einzelfall beraten werden. Grundstückbesitzer werden dann ehrlich vergütet oder erhalten Zuschlag oder Baurechte an anderer Stelle.“

"Betonstop" heißt prinzipiell "keine Bebauung von offenen Flächen"

Von Seiten der flämischen Landesregierung heißt es dazu, dass man diesem „Betonstop“ etwa eine Generation lang Zeit geben will, sich zu konkretisieren. Man wolle dies nicht von heute auf morgen regeln und unterziehe den Plan in den kommenden Monaten einer öffentlichen Untersuchung. Jeder Flame erhalte darin Mitspracherecht.

Zudem hole man sich Rat auf lokaler Ebene, denn die Experten hierzu sitzen in den Verwaltungen der Städte und Gemeinden. Konkrete Projekte bestehen laut Raumordnungsministerin Schauvliege nicht: „Es geht hier übrigens nicht nur um Parzellierungspläne. Wir haben als allgemeines Prinzip vereinbart, dass wir nach 2040 überhaupt keinen offenen Raum mehr anschneiden.“

Reaktionen

In der flämischen Tageszeitung De Morgen geht Flanderns Baumeister Leo Van Broeck bereits auf das Thema ein und rät dazu, auf das Wohnen in der Stadt zu setzen. Dazu müsse die Kadaster- oder Grundstücksteuer in den Städten gesenkt werden und auf dem Land erhöht. Auch sollten die Kosten für Anschlüsse von Neubauten oder Neubaugebieten teurer werden, je nachdem, wie weit die Bebauung vom vorhandenen Netz für Strom, Gas oder (Ab)Wasser entfernt ist. Derzeit sind diese Kosten überall gleich…

Der flämische Naturschutzbund Natuurpunt ist mit dem Abkommen zum „Betonstop“ durchaus zufrieden, stellt sich jedoch Fragen zum Timing. Chris Steenweghe von Natuurpunt sagte gegenüber der VRT-Nachrichtenredaktion, dass 2040 viel zu spät sei: „Bis dahin werden noch vermutlich 50.000 Hektar offener Raum bebaut werden und das halten wir doch für unhaltbar. Man muss das Ende der Bebauung viel schneller einführen, damit die weitere Einnahme von Grünflächen schneller endet.“ Nur so könne man Gebiete wieder zurückgewinnen oder dem Verlust von offenem Raum entgegenwirken.

Wie die flämische Bevölkerung darauf reagieren wird, bleibt abzuwarten, denn der Flame hat ja bekanntlich „einen Ziegelstein im Magen“ und baut sich gerne sein Eigenheim. Und dies möglichst auf dem Land. Das Abkommen zum „Betonstop“ sieht auch vor, dass Schritt für Schritt „kleiner gebaut“ werden soll und mehr in Richtung Städte oder Ortskerne.

NOVASTOCK / SUNSET