Europol-Bericht über Taktik des IS richtet sich an Bevölkerung

Die Europäische Polizeibehörde Europol warnt vor Anschlägen der Terrormiliz IS in Europa. Sie könnte ihre Vorgehensweise in Syrien und im Irak möglicherweise auch in Europa "kopieren". Das steht im jüngsten Bericht des Europäischen Anti-Terrorismus-Zentrums von Europol.

Laut Europol steige wegen der Gebietsverluste der Terrormiliz IS in Syrien und im Irak die Gefahr neuer Anschläge in Westeuropa.

Europol warnt vor allem davor, dass auch Autobomben zum Einsatz kommen könnten.

Es wird davon ausgegangen, das die Terrorzelle von Paris und Brüssel Pläne gehabt habe, "fahrzeuggestützte" Sprengsätze irgendwo in Frankreich zu zünden. Angesichts polizeilicher Maßnahmen hätten sie jedoch ihre Pläne geändert.

Der IS habe vermutlich neue Taktiken für Angriffe gegen den Westen entwickelt, warnt Europol. Als mögliche Ziele und deshalb als besonders gefährdet nennt Europol mehrere Länder in Europa, allen voran Frankreich, dann Belgien, Deutschland, die Niederlande und Großbritannien.

Der Europol-Bericht richtet sich nicht nur an die Polizeidienste, sondern auch an die Bevölkerung, sagt Wil van Gemert, der stellvertretende Direktor von Europol, der VRT. Es sei schwer, einzuschätzen, wer Anschläge verüben könnte, "insbesondere, wenn es um Menschen geht, die Vorgehensweisen kopieren. Das kann jeder sein."

In der Vergangenheit waren die Ziele vor allem auf Behörden gerichtet, sei es nun gegen die Regierung, die Polizei, das Militär oder gegen andere Einrichtungen. Doch mit dem Aufkommen des Phänomens in Europa, dass sich Menschen in kürzester Zeit radikalisierten, hätten sich auch die Ziele geändert. Man rechne nun damit, dass zur Zielscheibe deshalb auch einzelne Personen werden könnten, zum Beispiel Priester oder eine Menschenmenge wie man sie in Nizza gesehen habe.

Täter könnten sich innerhalb von sechs Monaten vom unauffälligen Bürger zum Terroristen radikalisieren, so Wil van Gemert. Die Polizeidienste müssten besondere Anstrengungen unternehmen, um potentielle Täter zu entlarven, deshalb sei hier die Hilfe Bevölkerung gefragt. "Das ist einer der Gründe, mit dem Bericht an die Bevölkerung zu treten."

Jambon: "Nichts Neues im Bericht"

Nach Einschätzung von Belgiens Innenminister Jan Jambon stünden in dem Bericht keine Neuheiten über Taktik und Methoden des IS. Die belgische Polizei sei auf Anschläge mit Autobomben vorbereitet. "Wir haben Terrorwarnstufe 3. Wir wissen, dass IS seine Vorgehensweise ständig ändert und nun auf einsame Wölfe setzt", so Jambon.

"In dem Bericht steht nichts Neues. Wir setzen bereits all unsere Kraft gegen diese Art von Drohung ein."