Papst: "Ich liebe Belgien, vor allem Brügge"

Der Redaktion des flämisch-katholischen Magazins Tertio ist es gelungen, ein Interview mit Papst Franziskus führen zu können. Eigentlich gibt Franziskus kaum Interviews, doch für Tertio nahm er sich rund 40 Minuten Zeit. Dabei war die Themenvielfalt breit angelegt: Die Rolle der Religion in Kriegen, die Macht der Medien und seine Liebe zu Belgien.
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Tertio bat bei Papst Franziskus um ein Interview, denn die Redaktion wollte etwas vom Primas der Katholischen Kirche zum 100. Jahrestag des Ersten Weltkriegs erfahren und zu den Anschlägen auf Paris und Brüssel. Franziskus stimmte zu, machte jedoch zur Bedingung, dass das Gespräch auch in der Vatikan-Zeitung L'Osservatore Romano müsse und zwar zum Anlass seines 80. Geburtstags, den er am 17. Dezember begehe.

Terror, Krieg und Religion

Seit den Anschlägen auf Paris und Brüssel steht eine striktere Trennung zwischen Kirche und Staat in der Diskussion. Auf die Frage, wie die katholisch Kirche mit der Idee, die Religion mehr und mehr aus der Gesellschaft zu verbannen, reagierte Papst Franziskus recht scharf: „Diese Haltung ist veraltet. Die Neutralität eines States ist eine gesunde Sache, doch das ist nur eine Sache. Laizismus bedeutet, die Türe der Transzendenz zu schließen, den Blick zu Gott. Doch gerade das ist ein Teil für das Menschsein. Ein politisches System, dass die Offenheit nicht respektiert, schmälert den Menschen.

Zur Frage, ob Religionen mögliche Ursache für Kriege sein können, ist Papst Franziskus deutlich: „Man kann keinen Krieg im Namen Gottes oder einer Religion führen. Krieg führen ist immer schlecht. Demzufolge haben Terror und Krieg nichts mit Religion zu tun. (…) Glaube handelt von Liebe, Einheit, Respekt, Dialog“.

Papst Franziskus und Belgien

Kaum jemand weiß, dass Papst Franziskus eine enge Verbindung zu unserem Land hat. In den Jahren 1973 und 1979 besuchte er Belgien als Vertreter der Jesuiten regelmäßig, weil er sehr oft mit einem christlichen Freundeskreis zu tun hatte, der eng mit der Katholischen Universität von Cordoba verbunden war. Franziskus war seinerzeit der Großkanzler der ‚Freunde der Katholischen Universität von Cordoba‘. In dieser Zeit lernte Franziskus unser Land kennen, schätzen und lieben. Über die Frage der Tertio-Redaktion, welche Stadt er in Belgien am liebsten habe, musste er nicht lange nachdenken: „Für mich ist Belgiens schönste Stadt nicht Gent oder Antwerpen, sondern Brügge.“

"Nie wieder Krieg"

Papst Franziskus macht sich große Sorgen um den Zustand der Welt. Das Vorhaben, dass schon nach dem Ersten Weltkrieg gelten sollte, ‚Nie wieder Krieg‘, sei rasch in Vergessenheit geraten: „Die Welt erlebt ihren Dritten Weltkrieg. In der Ukraine, im Nahen und Mittleren Osten, in Afrika und Jemen… Es ist sehr ernst. Zu dem Vorhaben ‚Nie wieder Krieg‘ kommen nur noch Lippenbekenntnisse, während inzwischen so viele Waffen hergestellt und verkauft werden - sogar an die Gegner.“ Papst Franziskus stellt fest, dass Macht und Bereicherung nur einen Preis haben und zwar einen hohen Preis: „Blut“. Heute brauche Europa Führungspersonen, so Franziskus, Führungspersonen, die ein Vorbild sein könnten…

Über die Medien

Papst Franziskus äußerte auch eine deutliche Meinung zu den Medien: „Heute haben sie die Möglichkeit, um Meinungen zu bilden, um gute und schlechte Ansicht in die Welt zu schicken. Die Medien bauen die Gesellschaft auf. (…) Doch auch die Medien erliegen Verlockungen: Sie können sich für Schwarzmachen und Rufmord missbrauchen lassen, vor allem in der politischen Welt. Der größte Schaden, den die Medien anrichten können ist der, einen Teil der Wahrheit zu verbergen. (…) Sie dürfen sich nicht der Lust an Skandalen hingeben, auch dann nicht, wenn sich ein Argument für Wahrheit darin verbirgt.“