Flandern: Selbständige im Job unzufrieden

Etwa jeder dritte Selbständige im belgischen Bundesland Flandern ist in seinem Job nicht zufrieden oder/und ständig gestresst. Dies ist aus einer aktuellen Studie des Gremiums SERV, ein Beratungsorgan der Arbeitgeber und der Gewerkschaften in Flandern. Unter diesem permanenten Stress leidet bei den meisten Betroffenen nicht nur das Berufsleben, sondern auch das Privatleben.

Frank Janssens von SERV sagte dazu am Montag gegenüber der VRT-Nachrichtenredaktion, dass ihn das Ergebnis dieser neuen Studie eigentlich nicht wirklich überrascht: „Das kommt natürlich nicht einfach so vom Himmel gefallen. Wir wissen aufgrund unserer Arbeitsbarometer, dass 7 von 10 selbständigen Unternehmern pro Woche über 48 Stunden arbeiten. Bei einer solchen Schieflage zwischen Privat- und Berufsleben spielen natürlich auch der Arbeitsdruck und die emotionale Belastung eine Rolle.“

„Selbständige Unternehmer sind für ihr Geschäft verantwortlich und auch für ihre Mitarbeiter. Und sie werden mit Kunden konfrontiert, die hohe Ansprüche stellen und die manchmal sehr selbstbewusst sind. Das nimmt man dann natürlich oft mit nach Hause.“, sagte Janssens abschließend dazu.

Karel Van Eetvelt, CEO des Unternehmerverbandes UNIZO für Flandern und Brüssel, ist der Ansicht, dass dies sektorabhängig ist: „Bei Berufen, bei denen Handarbeit verlangt wird, wie z.B. am Bau, in der Landwirtschaft oder in der Gastronomie, ist der Stress größer. In diesen Sektoren ist auch die Gewinnmarge kleiner, wodurch Unternehmer schneller in die Problemzone geraten, wenn es gerade einmal nicht gut läuft.“ Man müsse seine Grenzen erkennen können, was vielen Betroffenen nicht gelingt. Positiv, so Van Eetvelt, sei, dass Unternehmer, die erfolgreich sind, eher dazu motiviert sind, bis zum Alter von 65 Jahren weiterzumachen.

Problem Digitalisierung

Viele selbständige Unternehmer spüren derzeit auch die Konkurrenz der Digitalisierung. Das Internet, Onlinehandel und anderes mehr schnappen ihnen die Kundschaft weg. SERV und UNIZO nennen dabei unter anderem neue und unberechenbare Mitspieler, wie Uber-Taxi, Tripadvisor und AirBnB im Hotelbereich oder Online-Supermärkte, wie Amazon, Bol.com und weitere.

Bei der Neutralen Gewerkschaft für Selbständige, NSZ, sieht man zudem die Politik in der Verantwortung. NSZ-Sekretärin Christine Mattheeuws kritisiert, dass die Selbständigen und die Mittelständler nur auf wenig Unterstützung von Seiten der Behörden und der Regierung bekommen: „Der Mangel an ehrlicher Besteuerung wiegt schwer, genauso, wie die noch immer hohen Lohn- und Lohnnebenkosten in diesem Land.“ Personal sei teuer und viele Unternehmer neigen dazu, Arbeiten selbst zu übernehmen. Das NSZ fordert ein Steuersystem, bei dem Multinationals und der Mittelstand steuerlich gleich behandelt werden.