Brüssel: Fluglärmnorm bringt Jobs in Gefahr

Durch die strengeren Normen zum Fluglärm über der Region Brüssel-Hauptstadt, die ab Januar 2017 greifen, sehen sich einige Fluggesellschaften gezwungen, ihren Standort am Cargo-Flughafen in Zaventem (Brucargo) aufzugeben. Das betrifft Frachtflieger, die noch alte Boeing 747 (Jumbojet) in ihrer Flotte haben. Zwei Gesellschaften sind bereits so gut wie weg aus Brüssel. Viele Jobs sind bei Brucargo jetzt in Gefahr.

Saudia Cargo gab an, kurz vor dem Umzug nach Frankfurt am Main zu stehen und Yangtze River Express aus China arbeitet am 1. Januar 2017 von Amsterdam Schiphol aus. Beide Cargo-Airlines fliegen noch mit den alten Jumbojets, doch die Lautstärke dieser Maschinen vom Typ Boeing 747 ist so hoch, dass die Starts und Landungen am Januar empfindliche Bußgelder nach sich ziehen werden.

Neben diesen beiden genannten Gesellschaften arbeiten noch drei weitere Cargo-Airlines via Brugargo mit diesen veralteten und lauten Maschinen. Angeblich untersuchen auch diese Frachtflieger ihre Optionen. Nach Ansicht von Air Cargo Belgium, dem Dachverband der in Belgien aktiven Frachtflieger, sorgen die neuen Fluglärmnormen für den Standort Brüssel für dramatische Folgen.

Laut Geert Keirens von Air Cargo Belgium sind über 1.000 Jobs in Gefahr: „Brucargo beschäftigt derzeit etwa 5.000 Mitarbeiter, doch wenn rund ein Viertel des Ladevolumens wegfällt, bedeutet das sofort, dass 1.250 Jobs verschwinden werden.“ Indirekt gehen wohl noch weitere Stellen verloren, denn neben Lieferanten oder Transportunternehmen sind noch weitere Firmen direkt oder indirekt mit Brucargo verbunden.

Derzeit werden via Brucargo auf Zaventem pro Tag drei bis vier Flüge mit Jumbojets durchgeführt, dich das ist gleich rund ein Viertel aller dort angefertigten Flüge.

Flandern nicht einverstanden

Das belgische Bundesland Flandern ruft die Region Brüssel-Hauptstadt dazu auf, von den strengeren Fluglärmnormen abzusehen. Flanderns Landeschef Geert Bourgeois befürchtet einen wirtschaftlichen Schaden für den Standort. Der drohende Abzug von zwei Frachtfliegern und der damit verbundene Verlust von Arbeitsplätzen haben ihn aufgeschreckt:

„Das sind dramatische Nachrichten, denn wir kämpfen für jeden Job. Hier ziehen zwei Cargo-Gesellschaften weg, was tausende Jobs durch diese unverantwortliche Maßnahme Brüssels zu Lasten des Flughafens bedroht. Brüssel besteht zwar auf seinen Rechten, doch die Lasten will man nicht auf sich nehmen..“

Bourgeois ist sicher, dass dies weltweit ein Thema wird, dass in den Hauptquartieren aller Fluggesellschaften besprochen werde: „Die werden sagen, was ist da los? Das ist der einzige Flughafen der Welt, an dem Flugzeuge abgewiesen oder immens hoch bestraft werden und wo CEO dieser Unternehmen strafrechtlich verfolgt werden. Diese Leute sagen dann, dass es jetzt gut ist und sie ziehen weg.“

Brüssel rechtfertigt sich

Brüssels Ministerpräsident Rudy Vervoort (PS) verteidigte die Verschärfung der Fluglärmnorm und er will, dass die andere Regionen Rechnung mit der Lebensqualität der Brüsseler tragen: „Eine globale Lösung ist mehr als nötig. Jeder muss daran arbeiten, nicht nur Brüssel. Die Lasten sind für jeden da, nicht nur für Brüssel. Und Respekt für die Brüsseler und für die Lebensqualität ist auch wichtig."