Viele Vergewaltigungen werden zu den Akten gelegt

Rund die Hälfte aller Anzeigen nach Vergewaltigungen werden in Belgien zu den Akten gelegt. Dies meldet die flämische Tageszeitung Het Laatste Nieuws aufgrund von Zahlen aus dem Bundesjustizministerium. Zudem sprechen die Gerichte in unserm Land immer weniger Urteile gegen Vergewaltiger aus.
Rafael Ben-Ari/Chameleons Eye

Die meisten Freisprüche folgen nach einem Mangel an Beweisen für eine angezeigte Vergewaltigung und noch immer ist die Hemmschwelle für Opfer von sexueller Gewalt zu hoch, stellt die liberale flämische Kammerabgeordnete Nele Lijnen (Open VLD) in einem Gespräch mit der VRT-Nachrichtenredaktion fest:

„Es ist wichtig, sofort nach einer Vergewaltigung Anzeige zu erstatten, um ausreichend Beweismaterial sammeln zu können. Deshalb glaube ich, dass wir in multi-disziplinäre Zentren in allen Provinzen investieren müssen, in denen die Opfer alles unter einem Dach finden können und in denen sie auf allen Ebenen begleitet werden können, sowohl auf medizinischer Ebene, als auch auf polizeilicher und juristischer Ebene.“

Danièle Zucker, Profilerin und juristische Expertin in Fragen zu sexueller Gewalt, ist allerdings der Ansicht, dass Vergewaltigungen nicht nur aus Mangel an Beweisen zu den Akten gelegt werden: „Eine der Ursachen ist mit Sicherheit auch die Mentalität in der Kette. Damit meine ich die Polizei und Richter, die nicht wissen, ob sie Opfern glauben können oder nicht. Sie haben zu oft die Vorstellung einer Situation im Kopf, nach der ein vermeintliches Opfer etwas erfindet.“