Belgische Bahn: Fahren bald Züge ohne Schaffner?

Die belgische Bahngesellschaft NMBS/SNCB arbeitet an Plänen, mit denen Reisezüge ab 2019 ohne Schaffner fahren sollen. Das würde bedeuten, dass nur noch Lokführer an Bord dieser Züge sein werden. Bis 2020 soll auf über 450 Schaffner verzichtet werden können? Bleibt da nicht das Sicherheitsgefühl auf der Strecke? In anderen Ländern denkt man derzeit sogar daran, wieder mehr Personal in den Zügen einzusetzen.

In Anbetracht der weitergehenden Öffnung des öffentlichen Bahnverkehrs in der Europäischen Union will sich die belgische Bahngesellschaft NMBS/SNCB wettbewerbsfähiger aufstellen und denkt daran, auf bestimmten Bahnstrecken in absehbarer Zeit auf sogenannte ‚one man cars‘ zu setzen. Das sind Züge, in denen nur noch die Lokführer an Bord sind und keine Schaffner mehr, die Fahrkarten knipsen oder Abo-Karten scannen. Dadurch sollen 469 Schaffner überflüssig werden. Zu Entlassungen soll es nicht kommen. Der Personalabbau geschehe über „natürliche Abgänge“, so ein Bahnsprecher.

Allerdings spricht die Bahn hier von maximal 20 % der Reisezüge auf dem belgischen Netz. Das wären dann z.B. Nahverkehrszüge in ländlichen Regionen oder im Umland von großen Städten und bestimmte S-Bahnzüge des regionalen Brüsseler Vorstadtnetzes. An IC-Züge, die die Großstädte verbinden, wird dabei deutlich nicht gedacht. Noch befinde man sich in einer Testphase und im Vorfeld müssten zunächst noch Sicherheitsanalysen vorgenommen werden. Letztendlich sind dazu sogar Gesetzesanpassungen vonnöten.

Alles in allem sei die Sache eine reale Denkpiste, sagte Dimitri Temmerman von der NMBS/SNCB gegenüber der VRRT-Nachrichtenredaktion: „Wir setzen dies in erster Linie um, weil der Bahnverkehr bis 2023 vollständig liberalisiert sein muss und wir wollen sicherstellen, dass wir bis dahin ausreichend wettbewerbsfähig sind. Und wir müssen mit den Einsparungen Rechnung tragen, die uns auferlegt werden. Sicher ist, dass wir bei einer Umsetzung dieses Vorhabens in Sachen Sicherheit keinen Rückschritt machen wollen. Das bleibt unsere erste Priorität und ist auch eine Priorität für die Reisenden. Wir werden hier sicher nicht nachlässig.“

Beispiel Deutsche Bahn

In den Niederlanden, in Frankreich und auch in Deutschland sind bereits Züge ohne Schaffner unterwegs, dich gerade bei der Deutschen Bahn findet derzeit ein Umdenken statt. Am 23. November zeigte die „Aktuelle Stunde“ des WDR einen Beitrag unter dem Titel „Sicherheitskonzept der Bahn“. Dabei ging der Sender auf die latente Angst der Bahnkunden in Zügen und Bahnhöfen ein, auf immer häufiger aggressiv werdende Fahrgäste - auch gegen das Zugpersonal - und nicht zuletzt auf die Angst durch die Terrorgefahr ein.

Dem will die DB offenbar mit einem neuen Sicherheitskonzept entgegenwirken. Neben einer verstärkten Kameraüberwachung in Bahnhöfen und Zügen sollen aber auch zusätzliche Sicherheits-Mitarbeiter eingesetzt werden. Fahrgäste und Experten sind sich einig: Sie haben mehr Vertrauen in Personal vor Ort als in Überwachungstechnik. Verschiedener Orts soll sogar das Zugpersonal aufgestockt werden. Vor allem auf Nebenstrecken und auf den Vorstadtnetzen, wo gerade die belgische Bahn auf Personal verzichten will…

Jasper Jacobs

Und die Gewerkschaften?

Bahngesellschaft NMBS/SNCB ein Opfer von Einsparungen und vorgeschobenen Wettbewerbsargumenten wird und dass wieder weniger Eisenbahner mehr arbeiten müssen. Schon jetzt ist die Personaldecke angespannt.

Besonders beim fahrenden Personal ist dies der Fall. Hier können viele Kollegen kaum noch Urlaub nehmen oder Überstunden abbauen. Hinzu kommt noch die Tatsache, dass die belgische Bahn im Streikfall von der belgischen Bundesregierung aufgebrummt bekommt, für eine minimale Dienstleistung im Streikfall zu sorgen.

Entsprechende Verhandlungen zwischen der Bahndirektion und den Gewerkschaften bleiben festgefahren und Bundesverkehrsminister François Bellot (MR) drohte, bei einer Nicht-Einigung ab dem 1. Januar 2017 selbst für ein entsprechendes Gesetz zu sorgen. Dagegen wollen die beiden großen Eisenbahnergewerkschaften ACOD Spoor (Sozialisten) und ACV Transcom (christliche Gewerkschaft) Sturm laufen. Und das bedeutet bekanntlich…. Streik!