Londoner Universität hängt Leopold II.-Plaketten ab

Die Queen Mary-Universität in London hat Gedenkplaketten zu Ehren von König Leopold II. (Foto) entfernt. Farbige Studenten der Uni hatten gegen dessen koloniale Vergangenheit protestiert und darauf war die Universität eingegangen. Die Plaketten wurden dort 1887 angebracht, als der damalige belgische Monarch der Queen Mary-Universität einen Besuch abstattete.

Schon im Juni hatten Studenten auf Anregung einiger farbiger Kommilitonen eine Unterschriftenaktion auf den Weg gebracht, mit der die Entfernung der Gedenkplaketten gefordert wurde. Die Studenten waren der Ansicht, dass diese Plaketten, denen „jeder kritische Flair fehle“, besser einem Museum zum Thema Völkermord, Kolonialismus und Imperialismus übergeben werden sollten.

Anfang Dezember wurden die Leopold II.-Plaketten diskret entfernt. Zunächst gab die Queen Mary-Universität an, sie seien aufgrund von Renovierungsarbeiten abgehängt worden. Inzwischen sind sie im Keller des Universitätsarchivs gelandet. Der belgische König Leopold II. ging international in die Geschichte ein, nach dem das Terrorregime gegen die Bevölkerung der belgischen Kolonie Kongo bekannt wurde. Die betroffene Region war in den Jahren 1885 bis 1908 im Privatbesitz des bis heute umstrittenen Monarchen.

Britische Medien greifen das Thema auf

Die britischen Tageszeitungen The Times und The Daily Mail schrieben dazu, dass die Gedenkplatten auf eine engere Verbindung zwischen der Universität und dem belgischen König rückschließen ließen, als dies tatsächlich der Fall war. Der Vorgang an der Queen Mary-Universität in London gefällt nicht allen Briten. Professor Alan Smither von der Buckingham University lässt sich mit den Worten zitieren: „König Leopold ist Geschichte. Es hat keinen Sinn, seine Taten heute als rassistisch neu zu interpretieren“.

Dass sich die britischen Medien intensiv mit dieser Angelegenheit beschäftigen, hat mit einem ähnlichen Vorgang zu tun, der Anfang des Jahres für Schlagzeilen sorgte. Die Universität von Oxford hatte sich geweigert, ein Denkmal abzumontieren, dass dem Kolonialherren Cecil Rhodes gewidmet ist. Dieser hatte im 19. Jahrhundert im südlichen Afrika die britische Kolonie Rhodesien gegründet.