Muss man Weihnachtskrippen aus öffentlichen Einrichtungen verbannen?

In Flandern, genauer gesagt in Holsbeek bei Löwen, herrscht Streit um Weihnachtskrippen in öffentlichen Einrichtungen. Im Rathaus hatte eine Chistkrippe unter dem Tannenbaum gestanden. Doch diese ist infolge einer Klage von nicht-gläubigen Einwohnern entfernt worden. Das löste wiederum zahlreiche Proteste in der Bevölkerung aus. Holsbeek hat jetzt einen Kompromiss gefunden.

Während die einen so gar nicht verstehen wollen, warum der Stall mit den Figuren aus dem Rathaus entfernt werden musste, sind andere der Meinung, dass eine Christkrippe nicht in eine öffentliche, staatliche Einrichtung gehöre. 

Letzte Woche hatte die Putzkolonne des Rathauses die Krippe wie in jedem Jahr unter den Christbaum gestellt. Doch plötzlich gingen beim Gemeindesekretär Klagen wegen der Krippe ein. Die Beschwerdeführer seien mehrere Flamen gewesen, die fanden, dass ein Rathaus ein neutraler Ort für alle sein sollte, so der Bürgermeister von Holsbeek, der flämische Christdemokrat Hans Eyssen.

Ein religiöses Symbol habe dort nichts zu suchen, kritisierten die Beschwerdeführer. Aus diesem Grunde habe der Gemeindesekretär entschieden, die Krippe wieder abzubauen.

Die Oppositionspartei N-VA (flämische Regionalisten) ist mit dieser Entscheidung nicht einverstanden. "Eine Krippe gehört zu unserer Kultur und Tradition", so Hilde Heens, N-VA-Fraktionsführerin im Stadtrat. "Das hat nichts mit der Kirche zu tun. Wir haben doch auch Weihnachten als nationalen Feiertag. Dann müssen wir auch Weihnachten in Frage stellen."

Die N-VA fordert eine Debatte hierzu am morgigen Dienstag im Stadtrat. Für den Bürgermeister ist die Situation heikel. "Ich befürchte, dass man die Krippe für parteipolitische Hetze missbraucht", so der Bürgermeister. "Ich fürchte, dass man das als Angriff der Ausländer auf die Tradition der Flamen sehen wird, was absolut nicht der Fall ist."

Vorerst hat Holsbeek einen Kompromiss gefunden: Kurz vor Weihnachten wird die Krippe wieder unter den Baum gestellt.