Vor 50 Jahren fuhr in Belgien der letzte Dampfzug

Am 20. Dezember 1966, das war ein Dienstag, fuhr der letzte Reisezug in Belgien, der von einer Dampflokomotive gezogen wurde. Der Zug verkehrte damals zwischen Ath in der Provinz Hennegau und Denderleeuw in Ostflandern. Die Lokomotive, eine in Kanada kurz nach dem Krieg für Belgien gebaute Maschine, existiert heute noch.

Die belgische Bahngesellschaft NMBS/SNCB verabschiedete sich bereits Mitte der 1960er Jahre von den Dampfloks und ersetzte sie durch moderne Diesel- und Elektrolokomotiven. Die Maschine mit der Nummer 29.013 (Baujahr 1945 - Fotos) hatte die Ehre, am 20. Dezember 1966 den letzten dampfgeführten Reisezug in Belgien zu ziehen. Der Zug fuhr damals unter den Augen von Eisenbahnfreunden zwischen Ath in der wallonischen Provinz Hennegau nach Denderleeuw in Ostflandern.

Danach wurde die Lokomotive in die Sammlung der historischen Fahrzeuge der belgischen Eisenbahn aufgenommen. Zwischen 1975 und 1990 zog sie fast alle offiziellen Sonderzüge der NMBS/SNCB. 2001 wurde die 29.013 nach Schäden durch unsachgemäße Behandlung im deutschen Dampflok-Ausbesserungswerk Meinigen in Thüringen wieder in betriebsfähigem Zustand versetzt.

Derzeit befindet sie sich erneut in einem Ausbesserungswerk, wo sie mit den hier erforderlichen Sicherheits- und Bremssystemen TBL1+ und ETCS ausgerüstet wird. Dies macht die bahneigene Infrastrukturgesellschaft Infrabel zwingend erforderlich, denn sonst darf die 29.013 nicht mehr auf dem belgischen Schienennetz fahren. Davor wurde ihr Kessel restauriert und zwar durch britische Fachleute der “London & North Western Railway Heritage Company Ltd” aus Crewe.

Auch Belgien brauchte nach dem Krieg Lokomotiven

Die Maschine gehört zu einer 300 Lokomotiven umfassenden Lieferung aus Kanada und aus den USA, die nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte. Damals, kurz nach dem Krieg, brauchte auch Belgien neue Lokomotiven, um die Eisenbahn nach der deutschen Besetzung und nach vielen kriegsbedingten Zerstörungen wieder ans Laufen zu bekommen.

Die ersten 160 Loks wurden von Montreal Locomotives Works in Kanada geliefert, die nächsten 60 von der Canadian Locomotive Company und die letzten 80 von der American Locomotive Company (ALCO) in Schenectady/USA. Die Maschinen liefen 100 km/h.