Belgiens Erbschaftsrecht wird zeitgemäß reformiert

Die belgische Bundesregierung hat sich auf eine zeitgemäße Reform des Erbschaftsrechts einigen können. Das bisher geltende Erbrecht ist über 200 Jahre alt und basiert noch auf dem „Code Napoleon“. Inzwischen aber sind Familien oft völlig anders zusammengesetzt, anders also, als die klassische Familie Vater, Mutter, Kinder. Das neue Erbschaftsrecht ist zeitgemäßer und flexibler.

Das hiesige Erbschaftsrecht ist bereits über 200 Jahre alt und eine Neugestaltung davon drängte sich regelrecht auf. Jetzt beschloss die belgische Bundesregierung einige Passagen daraus zu erneuern, bzw. an die heutige Situation anzupassen. Das bedeutet, dass die neuen Regelungen für mehr Rechtssicherheit sorgen müssen und deutlich flexibler werden. Das ist für die sich heute verändernden Formen des Zusammenlebens eine sehr gute Sache, ist aus Kreisen von Politik und Justiz zu vernehmen.

Das noch immer geltende Erbschaftsrecht sieht vor, dass der größte Teil eines Erbes immer noch den Kindern der Verstorbenen zukommen muss. Je mehr Kinder da sind, desto höher wird der hier vorzusehende Anteil. Das soll jetzt anders werden. In Zukunft wird immer die Hälfte des vorhandenen Erbes an die Kinder gehen. Die andere Hälfte kann damit anderen Familienmitgliedern oder sonstigen Begünstigten zugutekommen.

Das Erbe von Kinderlose, fließt nah derzeit geltendem Recht immer zur Hälfte an die Eltern und zwar auch dann, wenn man sich zu Lebzeiten mit seinen Eltern nicht verstanden hat. Diese Regelung wird ersatzlos abgeschafft. Damit kann Vermögen an den Partner (on Ehepartner oder Lebensgefährte) vererbt werden oder auch an Stiefkinder oder andere Begünstigte.

Man kann also erkennen, dass das Thema Erbschaft in der Neuregelung freizügiger und flexibler werden wird. Man kann zum Beispiel auch die eigenen Kinder in ungleicher Höhe beerben, z.B. ein Kind erhält die Immobilien, ein anderes die Bankguthaben und ein Drittes Sammlungen oder Kunstgegenstände. Die Gesetzgeber und auch die Justiz empfehlen, Erbverträge mit den Begünstigen abzuschließen, denn ein vernünftiges Gespräch mit allen verhindere im Nachhinein schmerzvolle Gerichtsverfahren. Auch diese Möglichkeit bietet dann mehr Flexibilität, die zudem untereinander abgesprochen ist.

Interessant im neuen Erbschaftsrecht in Belgien ist auch die Möglichkeit, z.B. von Eltern geerbte Gelder, Liegenschaften oder anderes nicht anzunehmen, sondern direkt an die eigenen Nachkommen, sprich an die Enkelkinder der Verstorbenen weiterzugeben. Und nicht unerheblich ist auch die Tatsache, dass Stiefkinder, Pflegekinder, Freunde und andere Nahestehende problemloser beerbt werden können.

Die Reform des Erbschaftsrecht, dass die belgische Bundesregierung jetzt verabschiedete, wird im kommenden Jahr den Weg durch die parlamentarischen Instanzen nehmen.