Seit 2014 wurden sechs Anschläge vereitelt

In den letzten beiden Jahren sind nach Angaben des Chefs der belgischen Bundesgerichtspolizei in Brüssel, Eric Jacobs, mindestens sechs Terroranschläge verhindert worden. Das größte Problem der Ermittler sei die Menge an Informationen, die täglich bei den Sicherheitsdiensten eingehen und das insbesondere seit den Anschlägen vom 22. März.

Einzelheiten zu diesen geplanten und verhinderten Anschlägen seit November 2014 gibt es nicht. Wo und wann sie stattfinden sollten und wer daran beteiligt war, ist nicht bekannt. Jacobs ist der Chef der Anti-Terror-Einheit, der sogenannten DR3. Es gibt zum ersten Mal seit seinem Amtsantritt vor vier Jahren ein Interview.

In in den Zeitungen "De Tijd" und  "La Dernière Heure" erinnert Jacobs natürlich an die Brüsseler Anschläge vom 22. März. Er räumt ein, dass es den Belgiern damals an Fachkenntnis mangelte. Zur Analyse des Sprengstoffs habe man ausländische Experten zu Rate ziehen müssen.

In der Folge der Attentate habe der Informationsfluss in Richtung der Sicherheitsdienste stark zugenommen, sagt Jacobs. Pro Tag gingen bis zu 600 Hinweise aus der Bevölkerung und andere Informationen bei seiner Dienststelle ein, die natürlich alle weiterverarbeitet werden müssten. Viele dieser Hinweise stellten sich zwar als „nicht relevant“ heraus, dennoch müsse ihnen erst einmal nachgegangen werden.

Allerdings kämpfe seine Abteilung mit Personalengpässen, so Jacobs . Einige Akten seien an Dienste in anderen Provinzen übertragen worden, um Brüssel zu entlasten. In Brüssel befasst sich inzwischen 45 Prozent des Personals mit den Terrorakten.

Terroristische Bedrohung

Bei den Attentätern gehe es nicht nur um sogenannte „einsame Wölfe“, die Anschläge verüben wollten. Auch Kriminelle bilden demnach Netzwerke und planen Anschläge. „In vielen Fällen handelt es sich um Kleinkriminelle, die nicht in unsere Gesellschaft integriert sind. Auf diese übt IS ein große Anziehungskraft aus.“ Allerdings stelle nicht nur IS eine Bedrohung dar. Auch von anderen Gruppen und Ländern gehe eine terroristische Bedrohung aus.

Informanten aus der belgischen Moslemgemeinschaft würden immer wichtiger im Kampf gegen Terroristen, sagte Jacobs. „In Brüssel leben 200 verschiedene Nationalitäten“, stellt der Chefermittler fest. „Viele Menschen mit Migrationshintergrund sind mit den Terroristen nicht einverstanden und helfen der Polizei. Es sei deshalb verkehrt den Islam pauschal in ein negatives Licht zu stellen.“

Der Kampf gegen den Terrorismus macht eine intensive Kooperation der belgischen und internationalen Nachrichtendienste notwendig. Belgien sei inzwischen der drittgrößte Informationslieferant von Europol, stellt Jacobs noch fest.