Familien klagen, weil Medikament Ursache für Behinderung ihrer Kinder ist

Vier Familien werden an diesem Dienstag Klage einreichen, weil die Behinderung ihrer Kinder durch Medikamente gegen Epilepsie, die die Mütter während der Schwangerschaft einnahmen, verursacht wurde.
ImageGlobe

Die Kinder der betroffenen Familien haben Autismus oder andere neurologische Krankheiten. Die Familien sind davon überzeugt, dass sie zu spät über die Risiken eines bestimmten Stoffes in dem Medikament informiert wurden. Die Wissenschaft war über das Risiko schon seit langem im Bilde, doch die Eltern haben erst vor fünf Jahren die Ursache der Behinderung ihrer Kinder erfahren.

Man habe das Risiko verschwiegen, auch als die Eltern danach fragten, so eine der Mütter.

Ann Eeckhout von der belgischen Arzneimittel-Agentur betonte in der VRT: "Mitte der 90er Jahre vermutete man negative Auswirkungen für das ungeborene Kind, aber man hatte keine Sicherheit. Erst 2008 haben wir gesehen, dass bei dem Medikament Valproat die negativen Nebenwirkungen schlimmer waren als bei anderen Medikamenten gegen Epilepsie. Das ist der Grund dafür, dass das nicht mehr einfach so eingenommen werden darf."

Die betroffenen Familien hoffen mit der offiziellen Klage gegen Unbekannt auf eine Anerkennung als Opfer. Ferner wollen sie, dass ein Treuhandfonds für die Opfer eingerichtet wird, ähnlich wie das in Frankreich geschehen ist.

Angesehen der heutigen Haushaltssituation plant die Gesundheitsministerin, Maggie De Block, keinen solchen Fonds. Sie will vielmehr ein verpflichtendes Etikett auf Verpackungen von Medikamenten, die Valproat enthalten, um Frauen vor den Risiken im Falle der Einnahme während der Schwangerschaft zu warnen. Die Ministerin hat hierfür bereits einen Gesetzesentwurf eingereicht.