Mittwoch: Prozessauftakt gegen belgische Pharma-Chefs

An diesem Mittwoch beginnt vor dem Brüsseler Strafgericht der Prozess gegen sieben Spitzenmanager von belgischen Pharma-Unternehmen und gegen den mexikanischen Drogenboss Ezio Figueroa-Vasquez. Nach Auffassung der belgischen Staatsanwaltschaft sollen die Pharma-Unternehmen dem Drogenbaron Medikamente besorgt haben, der daraus millionfach Drogenpillen herstellte. Die Prozessdauer ist für mindestens drei Tage angesetzt. (Archivfoto)

Die Medikamente, die für den Drogenbaron bestimmt waren, enthielten Ephedrin, ein relativ ungefährliches Produkt, das auch in Hustensäften enthalten ist. Doch Ephedrin ist auch der Grundstoff zur Herstellung des äußerst suchterzeugenden Methamphetamins, das besser unter dem Namen Crystal Meth oder unter Ice bekannt ist. In Mexiko ist die Einfuhr des Produkts verboten.

Der mexikanische Drogenbaron Ezio Figueroa-Vasquez hatte deshalb Kontakt zu Produzenten und Händlern von ephedrinhaltigen Medikamenten in Asien, Afrika und Europa aufgenommen. Er kaufte ihnen die Medikamente in großem Umfang ab, um das Ephedrin in seinen Labors in Mexiko aus der Arznei zu destillieren.

In Belgien soll Figueroa-Vasquez teilweise über einen Zwischenhändler Kontakt unter anderen zu Sterop in Brüssel und Andacon in Dadizele  gehabt haben. Dort orderte er in einer einzigen Bestellung millionenfach ephedrinhaltige Pillen mit der Aussicht auf eine zweijährige Versorgung mit mehr als 200 Millionen Pillen pro Jahr. Die belgischen Lieferanten sollen dem Mann damit zu 4 Tonnen Ephedrin verholfen haben. Auf diese Weise konnten mehr als 66 Millionen Ice-Pillen hergestellt und ein Umsatz von 360 Millionen Euro erzielt werden - bis der Zoll und die Polizei den Deal entdeckten.

Die belgischen Pharma-Betriebe behaupten unterdessen, dass sie bei der Lieferung der ephedrinhaltigen Produkte in gutem Glauben gehandelt hätten. Sterop fügt hinzu, dass es von einem seiner Vertreter getäuscht worden sei. Gegen diesen habe das Unternehmen bereits Anzeige erhoben, heißt es weiter.

Der belgischen Staatsanwaltschaft zufolge zeigten Mailverkehr und abgehörte Telefongespräche jedoch, dass die belgischen Pharma-Unternehmen sehr wohl bewusst gehandelt hätten.