Großkonzerne sorgten in letzten 2 Jahren für starkes Beschäftigungswachstum

Große Unternehmen haben in den letzte beiden Jahren die meisten Arbeitsplätze geschaffen, mehr als kleine und mittlere Betriebe (KMU). Seit die Regierung von Michel im Amt ist, sind gut 83.000 Stellen im Privatsektor geschaffen worden.

In der Zeit zwischen dem Antritt der Michel-Regierung im dritten Quartal 2014 und dem gleichen Quartal 2016 sind von den insgesamt 83.742 hinzugekommenen Jobs 75 Prozent in Unternehmen mit mehr als 200 Arbeitnehmern geschaffen worden. Das geht aus einer Arbeitsbeschaffungsanalyse des belgischen Landesamtes für Soziale Sicherheit hervor.

Diese Entwicklung ist außergewöhnlich, weil in Belgien noch immer gut die Hälfte der Arbeitnehmer bei kleineren und mittleren Unternehmen beschäftigt ist und dieses Land im Allgemeinen als ein KMU-Land angesehen wird.

Die Zahlen widerlegen das allgemein vorherrschende Gefühl in Belgien, dass große Unternehmen vor allem umstrukturieren, so Jan Denys, ein Arbeitsmarktexperte von Randstad in der Zeitung De Tijd. Als Beispiele führt er die Schließung des Maschinenbauers Caterpillar und die angekündigte Sanierung bei ING an.

Nach Auffassung von Edward Roossens, dem Chefökonom des belgischen Unternehmerverbandes (VBO), sei das stärkere Beschäftigungswachstum bei Großunternehmen eine Folge der Politik der belgischen Zentralregierung. Die Lohnzrückhaltung, der Indexsprung und die Senkung der Lohnnebenkosten (Taxshift) hätten die Unternehmen in Belgien wettbewerbsfähiger gemacht. Insbesondere die Exportfirmen profitierten davon und das seien vor allem größere Unternehmen.

Kleinere Unternehmen, darunter zahlreiche Hotels, Restaurants und Gaststätten sowie der Einzelhandel litten wiederum unter den Folgen der Terroranschläge. Dadurch haben zahlreiche Menschen ihren Job verloren und das Beschäftigungswachstum wurde in diesem Bereich gebremst.

Jan Denys von Randstad betont in der VRT allerdings auch, dass es sich bei den neu geschaffenen Arbeitsplätzen in den großen Unternehmen üblicherweise zunächst vor allem um befritstete Arbeitsverträge oder Teilzeitjobs handele. 

"Wenn viele neue Stellen geschaffen werden, ist es immer so, dass der Anteil befristeter Zeitarbeitsjobs über dem Durchschnitt liegt. Das ist nicht neu. Die gute Nachricht ist, dass sehr viele dieser Stellen nach einer gewissen Zeit zu unbefristeten Verträgen  werden."

"Handelt es sich um Teilzeitjobs, so wissen wir, dass dies in 80 Prozent der Fälle auf Bitten der Arbeitnehmer erfolgt."

Zahlen des RSZ weichen von Zahlen der Nationalbank ab

Dank des Beschäftigungswachstums zählt Belgien inzwischen 2,87 Millionen Arbeitsplätze im Privatsektor, einschließlich der Gesundheitssorge. Die Zahlen des Landesamtes für Soziale Sicherheit (RSZ) weichen damit von denjenigen der Nationalbank ab.

Letzterer Einrichtung zufolge seien seit Antritt der Michel-Regierung bereits 100.000 Jobs hinzugekommen. Doch in diesen Zahlen sind unter anderem auch die Selbstständigen mit eingerechnet und die Zahlen sind saisonbereinigt.