Videoüberwachung in den belgischen Bahnhöfen

Anis Amri, der Attentäter von Berlin, hat sich bei seiner Flucht von Deutschland nach Italien am Abend des 21. Dezember rund zwei Stunden lang im Bahnhof Brüssel-Nord aufgehalten. Dies ist auf Videobildern zu erkennen, die am Mittwochabend freigegeben wurden. Erneut wird jetzt über Kameraüberwachung und Sicherheit in den Bahnhöfen des Landes diskutiert.

Amri kam aus den Niederlanden per Zug nach Brüssel, um dort mit einem internationalen Reisebus weiter nach Frankreich zu fahren. Rund zwei Stunden aber verbrachte er im Brüsseler Nordbahnhof, wie Videobilder belegen. Wie sicher sind aber die belgischen Bahnhöfe? Darüber wird nicht erst seit gestern diskutiert.

Die Bilder der Überwachungskameras in Brüssel-Nord zeigen Anis Amri, dessen Gesicht teilweise von einer Mütze und einem Schal versteckt wird. Ihn zu erkennen, auch wenn inzwischen international nach ihm gefahndet wurde, ist nicht leicht. Was nützen also die 750 zusätzlichen Kameras, die im Zuge der Anti-Terrormaßnahmen in den großen belgischen Bahnhöfen (u.a. in Brüssel-Süd/Midi, Antwerpen Zentral und Lüttich Guillemins) installiert werden sollen?

Die belgische Bahngesellschaft NMBS/SNCB lässt derzeit eine Studie zum Nutzen von Videokameras mit Gesichtserkennung anfertigen. Wie aber soll man die Reisenden kontrollieren, die internationale Busgesellschaften, wie Eurolines oder Flixbus nutzen? Amri fuhr von Brüssel-Nord aus per Reisebus nach Frankreich weiter und auch Mehdi Nemmouche, der Attentäter vom Jüdischen Museum in Brüssel im Mai 2014, floh mit einem Bus nach Südfrankreich.

Dies alles gießt Öl aufs Feuer der Pläne der belgischen Bundesregierung, Passagierlisten im internationalen Reiseverkehr aufzustellen. Das Parlament hat diesen in der EU allerdings noch umstrittenen Plänen bereits zugestimmt – sehr zum Ärger der hier aktiven ausländischen Bahn-, Bus- und Fluggesellschaften (siehe nebenstehende Beiträge).

AP2013