Türkische Offiziere beantragen Asyl

Etwa 100 entlassene oder vom Dienst suspendierte türkische Offiziere und ihre Familien haben nach dem gescheiterten Militärputsch vom 15. Juli in Belgien Asyl beantragt. Die türkischen Armeeangehörigen arbeiteten hier bei der NATO. Das berichtet die Zeitung „La Libre Belgique“ in ihrer Samstagsausgabe.

Die Offiziere werden von den türkischen Behörden der Mitgliedschaft in einer terroristischen Organisation verdächtigt. Sie erhalten kein Gehalt mehr und trauen sich nicht in ihr Heimatland zurück. Die 19 Offiziere, die dies wohl taten, wurde dort sofort verhaftet, sagte ein Oberst der Zeitung. Verschiedene Quellen bestätigen auch Folterungen und willkürliche Festnahmen.

In der Türkei folgte auf den Putschversuch eine Entlassungswelle. bereits mehr als 41.000 Menschen wurden in der Türkei festgenommen und mehr als 100.000 weitere entlassen oder vom Dienst suspendiert. Das Vorgehen gründet sich auf den Ausnahmezustand, der nach dem Putschversuch verhängt und am vergangenen Dienstag erneut um drei Monate verlängert worden war. Westliche Partnerländer der Türkei sowie Menschenrechtsorganisationen haben sich besorgt über die Repressionen geäußert.

NATO und SHAPE

Laut „La Libre Belgique“ wurden 42 der insgesamt 53 türkischen Offiziere im NATO-Hauptquartier im Brüsseler Vorort Haren entlassen und auch 80 der 100 Offiziere der SHAPE (Supreme Headquarters Allied Powers Europe) in Casteau bei Mons. Insgesamt wurden 450 der 600 türkischen Stellen in den verschiedenen NATO-Basen (Ramstein in Deutschland, Norfolk in Großbritannien und Neapel in Italien) gestrichen.

Die türkische Regierung macht die Bewegung des im US-Exil lebenden islamischen Predigers Fethullah Gülen für den Putschversuch verantwortlich. Zugleich kämpft sie gegen die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) und die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), die immer wieder Anschläge in der Türkei verüben.