Abou Jahjah: "Palästina mit allen Mitteln befreien!"

Der flämisch-libanesische Publizist und Politaktivist Abou Jahjah (Foto) hat mit einem Facebook-Kommentar nach dem LKW-Attentat in Jerusalem wieder einmal für einen Sturm der Entrüstung gesorgt. Nach Ansicht von Abou Jahjah seien solche Anschläge kein Terrorismus, sondern „legitime Reaktionen“ auf die israelische Besetzung der Palästinensergebiete. Jahjahs Kommentar hat inzwischen publizistische Konsequenzen.

Nur kurze Zeit nach dem Anschlag mit einem LKW auf israelische Soldaten in Jerusalem, bei dem drei Militärs und der Attentäter ums Leben kamen und dutzende weitere verletzt wurden, erschien auf der Fecebook-Seite von Abou Jahjah folgender Eintrag: "By any means necessary! #FreePalestine".

Damit schien der umstrittene Publizist und Autor den Anschlag im Sinne der Palästinenser gutzuheißen. Stunden später fügte Jahjah dem noch einige Erklärungen hinzu: „Unabhängig seines ideologischen Standpunktes oder der Zugehörigkeit zu einer Organisation hat jeder palästinensische Bürger - sie wie jeder Bürger gleich wo auf der Welt - das Recht, sich gegen Besetzung zu wehren. Dieses Recht wird durch internationales Recht garantiert.“

Seiner Ansicht nach handelt es sich bei dem Anschlag auf israelische Militärs in Jerusalem also nicht um einen Terroranschlag, sondern um einen „legitimen Angriff auf Besatzungssoldaten.“ Gewalt lehne er eigentlich ab, so Jahjah, und der freue sich auch nicht über den Tod der Soldaten, doch „ich hätte selbst den Tod von Nazi-Soldaten in den 40er Jahren nicht bejubelt. Aber Gewalt als Selbstverteidigung ist manchmal unvermeidlich.“

Scharfe Kritik und hitzige Diskussionen

Die Facebook-Kommentare von Abou Jahjah erhielten nicht wenig Beifall, doch es gab auch scharfe Ablehnung. Unter den schärfsten Kritikern in den sozialen Medien war auch Belgiens Staatssekretär für Asyl und Einwanderung, Theo Francken (kl. Foto), von den flämischen Nationaldemokraten N-VA. Er nannte Abou Jahjah via Twitter „krank“ und bezeichnete dessen Ansichten als Unterstützung eines „Kalifates gegen Israel“. Francken twitterte: „IS-Terror verherrlichen. Wenn es nur gegen Israel geht, ist alles gut.“

Der Staatssekretär ging sogar soweit, einige Facebook-Beiträge, die Jahjah zustimmten, zu liken, zum Beispiel die Kommentare einiger Politiker der kommunistischen flämischen Partei PVDA: „Linksradikale Nichtsnutze!“ Interessant ist dabei, dass auch Francken den Kampf der Palästinenser für legitim hält, doch er warnt in weiteren Kommentaren davor, dass „die faschistische Terrorgruppe IS den Kampf der Palästinenser beschmutzt“. Die Reaktionen Franckens nannte Jahjah dann wieder „hysterisch“.

Zeitung beendet Zusammenarbeit

Im Laufe des Montags gab die Redaktion der flämischen Tageszeitung De Standaard bekannt, die Zusammenarbeit mit Abou Jahjah zu beenden. Jahjah schrieb drei Jahre lang wöchtlich Kolumnen und Kommentare für das Blatt. Für De Standaard haben die Facebook-Kommentare des belgischen Libanesen die Grenzen der freien Meinungsäußerung überschritten.

De Standaard-Chefredakteur Karel Verhoeven schrieb dazu: „Auch eine breitgeführte Debatte hat ihre Grenzen und die liegen bei uns bei der undifferenzierten Unterstützung von Gewalt. (…) Auf Facebook schrieb Dyab Abou Jahjah am Sonntag, dass die Befreiung Palästinas ‘by any means necessary’ geschehen müsse und das ist ein Zitat von Malcolm X (ein radikaler schwarzer US-Bürgerrechtler (A.d.R.)). So kurz nach einem Anschlag lässt dieser Satz leider keinen Raum für bedingte Interpretation oder eine notwendige Debatte mehr.“