Plan zum Bombenbau: Radikalisierung im Knast

Die Zahl der beunruhigenden Vorgänge in belgischen Haftanstalten in Zusammenhang mit radikalen Islamisten und mit Terrorplänen nimmt weiter zu. Jetzt entdeckte ein Häftling in der Brüsseler Haftanstalt Sint-Gillis (Foto) in seiner Zelle einen Zettel, auf dem ein Plan zum Bau einer Bombe zu lesen war. Die Polizei ermittelt.

Schon Mitte Dezember fand ein 20 Jahre alter Häftling in seiner Zelle im Brüsseler Sint-Gillies-Gefängnis einen Zettel mit einer Bauanleitung für eine Bombe. Der junge Mann, der nicht in Zusammenhang mit einem Terror-Dossier inhaftiert wurde, meldete den Fund seinem Anwalt, der seinerseits Polizei und Staatsanwaltschaft unterrichtete. Offenbar war dieser Zettel nicht für den jungen Häftling bestimmt und geriet wohl irrtümlich in dessen Zelle.

Das derartige Botschaften in den Gefängnissen zirkulieren, ruft ernsthafte Fragen darüber auf, wie sich radikal-islamische Häftlinge untereinander vernetzen können. Zeugen berichten den Medien von beunruhigenden Zuständen, wie die flämischen Tageszeitungen De Morgen und Het Laatste Nieuws dazu melden. Bundesjustizminister Koen Geens (CD&V) machte bereits mehr als 5 Mio. € für den Kampf gegen die Radikalisierung frei, doch dies ist wohl nur ein Tropfen auf einem heißen Stein, wie die Blätter schreiben.

Kaum Häftlingsbegleitung

Die belgische Gefängnisverwaltung erhält fast täglich entsprechende Meldungen. So sollen islamistische Häftlinge andere inhaftierte Moslems beeinflussen und unter Druck setzen.

Insgesamt sitzen rund 450 als radikal eingestufte Häftlinge islamischen Glaubens in belgischen Gefängnissen, doch nicht alle können in Isolationshaft genommen werden und adäquat begleitet werden junge Moslems in den hiesigen Haftanstalten kaum.

Den 450 als Risikohäftlingen bekannten Insassen stehen noch keine 30 Islambegleiter zur Seite, während in Großbritannien auf 700 extremistische Gefangene rund 350 Häftlingsbegleiter kommen, wie ein belgischer Anwalt dazu bemerkte.