Roularta-Verlag beendet Online-Kommentare

Der flämische Roularta-Verlag hat die Möglichkeit beendet, online Beiträge des Wochenmagazins Knack und des Wirtschaftsmagazins Trends zu kommentieren. Regelmäßig seien diese Kommentare ausgeufert und es sei zu oft zu persönlichen Angriffen und zu rassistischen Aussagen gekommen, heißt es dazu.

Dass Online-Kommentare auf den Webseiten vieler Medien in unseren Breitengraden regelmäßig aus dem Ruder laufen und mit freier Meinungsäußerung kaum noch etwas zu tun haben, ist hinlänglich bekannt und unsere Haus, der öffentlich-rechtliche Rundfunk des belgischen Bundeslandes Flandern, VRT, hat diese Art der Kommentierung und der Diskussion schon vor einiger Zeit abgeschafft.

Jetzt greift auch der flämische Roularta-Verlag zu diesem Schritt und beendet die Kommentarmöglichkeiten auf den Webseiten seiner wöchentlich auf Papier erscheinenden Magazine Knack und Trends. Online haben diese beiden Blätter eine rund um die Uhr arbeitende Nachrichtenredaktion, die auch die Foren der Magazine moderiert.

Doch damit ist jetzt Schluss, denn die Art und die Inhalte der Kommentare und Reaktionen haben für den Verlag und seine Magazinredaktionen ein Maß erreicht, dass nicht mehr zu tolerieren ist. Knack-Chefredakteur Jago Kosolsky nahm gegenüber der VRT-Nachrichtenredaktion Stellung dazu:

„Wir sehen es nicht als unsere Aufgabe an, den Leuten zu sagen, wie sie sich online zu verhalten haben. Es fließt viel Zeit und Energie in das Moderieren von Kommentaren, um gegen Missbrauch vorzugehen und das gilt für viele Newswebseiten in Flandern und in Wallonien. Das ist keine Aufgabe, die wir als Journalisten auf uns nehmen müssen. Unsere Aufgabe ist zu Informieren und die Menschen mit spannenden Analysen, Ansichten und Kolumnen zu konfrontieren. Das sind die Sachen, die wir veröffentlichen wollen.“

McPHOTO / INSADCO / Bilderbox

Nicht nur bei der VRT und bei Roularta

Aus den gleichen Gründen beendeten kürzlich auch die Redaktionen der flämischen Tageszeitungen De Morgen, De Standaard und Het Nieuwsblad ihre Möglichkeit, Beiträge online zu kommentieren. Bei Het Laaste Nieuws und beim Wirtschaftsblatt De Tijd besteht diese Art der Kommentierung vorläufig noch weiter. Einige Redaktionen gehen kreativ mit dieser Entscheidung um.

Sie lassen z.B. nur noch Kommentare bei Beiträgen, für die man zahlen muss, um sie online lesen zu können, oder sie organisieren moderierte Chatsessions zu bestimmten Themen. In diese Möglichkeit investiert die Redaktion von De Tijd. Doch Raum für rassistische, persönliche und hasserfüllte Beschimpfungen bietet fast keine Redaktion im belgischen Bundesland Flandern mehr. In den meisten Fällen kann aber noch über Facebook oder Twitter reagiert werden.