Arzthonorare: Tarifvereinbarung auf der Kippe

Zwei Ärzteverbände wollen die Tarifvereinbarung mit den Krankenkassen über die Höhe der Honorare kündigen. Noch ist unklar ist, welche Konsequenzen das haben könnte. Im schlechtesten Falle, könnte der Arztbesuch für die Patienten teurer werden.
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Die Belgische Vereinigung der Ärzteverbände (BVAS), der größte Ärzteverband, und das KARTELL, einer der kleineren Verbände, haben die bis Ende diesen Jahres gültige Tarifvereinbarung mit den Krankenkassen gekündigt. Kurzfristig muss jetzt eine Krisensitzung mit Regierungsvertretern und Krankenkassen anberaumt werden.

Ärzte und Krankenkassen einigen sich in der Regel im Zweijahrestakt auf ein Tarifabkommen über die höchstzulässigen Honorare für Arztbesuche und Untersuchungen. Patienten wissen so im Voraus, was sie zahlen müssen, wenn sie zum Arzt gehen. Allerdings steht es den Ärzten frei, sich dem Abkommen anzuschließen oder nicht. Momentan berechnen mehr als 80 % aller Ärzte und Fachärzte die vereinbarten Honorare. Das aktuelle Honorarliste gilt noch bis Ende 2017.

Mit der Kündigung des Tarifabkommens protestieren die beiden Ärzteverbände gegen Sparmaßnahmen von Gesundheitsministerin Maggie De Block, die einseitig eine Kürzung der Bezüge beschloss. Sie entschied, dass die Honorare dieses Jahr nur teilindexiert werden, also nur zu einem Drittel den gestiegenen Lebenshaltungskosten angepasst werden. Das widerspreche der gemachten Vereinbarung und sei so nicht hinnehmbar, argumentieren die Ärzteverbände.

Hiermit gilt das aktuelle Tarifabkommen nicht mehr und können Arzte ab dann nach eigenem Gutdünken Honorare in beliebiger Höhe berechnen. Für die Patienten könnte das teuer werden.

Domus Medica, ein Verband, der vor allem Hausärzte vertritt, kündigte das Abkommen nicht und möchte auch eine jahrelangen Rechtsstreit vermeiden. Vermutlich werden die meisten Hausärzte auch keine höheren Honorare berechnen.