Bourgeois über Trump: "Europa verstärken"

Flanderns Ministerpräsident Geert Bourgeois (N-VA - Foto) ist der Ansicht, dass Europa als Reaktion auf den neuen US-Präsidenten Donald Trump stärker werden müsse. Am Mittwochmorgen sagte Bourgeois gegenüber der VRT-Nachrichtenredaktion: „Schlägt Trump die Richtung ein, die wir befürchten, dann hat das enorme Folgen für den Freihandel und für unsere Verteidigung.“

Bourgeois reagierte aus Davos in der Schweiz, wo derzeit das World Ecomomic Forum stattfindet, ein jährliches Treffen der wichtigsten Wirtschaftsbosse, Politiker und Intellektuellen der Welt unter den Augen der Weltpresse. Prominenter Abwesender in diesem Jahr: President-elect Donald Trump. Doch dessen Schatten reicht bis in die Schweizer Berge, wie auch der flämische Landeschef feststellen muss: „Trump hat sich nicht gerade als Befürworter der Freihandelsabkommen TTIP und NAFTA erwiesen. China übernimmt jetzt die Initiative, um über solche Abkommen mit Asien zu verhandeln.“ Chinas Präsident Xi Jinping ist ebenfalls in Davos zu Gast, wo er unter anderem das belgische Königspaar traf.

Es fällt schon auf, dass Flanderns Ministerpräsident Bourgeois aus Richtung Davos eine Lanze für die Europäische Union bricht, doch er ist besorgt: „Schlägt Trump die Richtung ein, die wir befürchten, nämlich den des Protektionismus oder gar eine Form von Isolationismus, dann hat das enorme Folgen für den Freihandel, für Europa und eventuell auch für unsere Verteidigung. Trump hat sich nämlich schon kritisch zur NATO geäußert. Das bedeutet, dass wir uns mit Europa besonders beschäftigen müssen, denn das ist unser Hebelarm für Verteidigung und Freihandel. In diesem Sinne müssen wir Europa verstärken.“

Brexit

Geert Bourgeois reagierte am Morgen aus Davos auch auf den Brexit, der nach einer mit Spannung erwarteten Rede der britischen Premierministerin Theresa May am Dienstag wohl ein „harter“ EU-Austritt sein wird. Der flämische Landeschef erklärte die Verhandlungen zu einem Handelsabkommen mit den Briten zur Chefsache aus seiner Sicht: „Ich werde dieses Dossier besonders genau beobachten und dies proaktiv und intraföderal (in Absprache mit allen Regionen und Gemeinschaften und auch mit dem Bund in Belgien (A.d.R.)).“

Bourgeois unterstrich, dass Flandern neben Irland von einem Brexit am stärksten betroffen ist, denn rund 10 % des gesamten flämischen Exports geht in Richtung Großbritannien. Deshalb legt er Wert auf die Feststellung, dass es zu einem „handelsfreundlichen“ Abkommen zwischen den Briten und der EU kommen müsse. Im Übrigen sitze das Bundesland Flandern mit am belgischen Tisch bei den entsprechenden Gesprächen. Auch wenn ein Großteil des belgischen Exports auf die britischen Inseln aus Flandern kommt, will sich Bourgeois mit seinem wallonischen Amtskollegen Paul Magnette (PS) abstimmen: „Ich will ihn davon überzeugen, dass ein guter Vertrag auch im Sinne der Wallonischen Region ist.“