Hafen Zeebrügge fürchtet Trump- und Brexit-Folgen

2016 wurden im Hafen von Zeebrügge fast 38 Mio. Tonnen Waren und Güter umgeschlagen. Das ist ein Rückgang um 1,3 % gegenüber 2015. Vor allem im Bereich Containerverkehr waren die Zahlen letztes Jahr dramatisch. Der Hafen und die Provinz Westflandern setzen jetzt auf eine Verbesserung des Zugangs zum so genannten Hinterhafen und auf Erleichterungen im Regelwerk für die Binnenschifffahrt. Wie die Folgen des anstehenden Brexit in Zeebrügge abgefedert werden können, ist noch unklar.

Ganz klar vorne liegt in Zeebrügge der Umschlag von Automobilen. Im vergangenen Jahr wurden fast 2,8 Mio. Autos über diesen flämischen Hafen verschifft - ein Plus von 14,3 % gegenüber 2015. Damit ist Zeebrügge in dieser Hinsicht der größte Autohub der Welt. Steigende Zahlen brachten hier die Transporte von Neuwagen in die USA und nach Spanien sowie nach Schweden. In Zeebrügge hofft man allerdings, dass die protektionistischen Maßnahmen des neuen US-Präsidenten Trump hier keine allzu großen Folgen haben werden.

Großbritannien bleibt mit 45 % des Umschlags der wichtigste Handelspartner des Hafens von Zeebrügge. Für Joachim Coens, der CEO des Hafens, kann sich der Brexit negativ auf den Standort auswirken, wie er gegenüber dem flämischen Nachrichtenmagazin Knack angab: „Eine Einschränkung des Freihandels mit Großbritannien nach dem Brexit wäre eine Katastrophe für Zeebrügge und für die Wirtschaft in der Provinz Westflandern, denn wir führen viel mehr ins Vereinigte Königreich aus, als wir von dort importieren. Wie sang Jacques Brel doch so schön: ‚Londres est le faubourg de Bruges’ (London ist die Vorstadt von Brügge).“

Pluszahlen verbuchte der Hafen letztes Jahr in den Bereichen Stückgut (+ 27,5 %) und Kreuzfahrttouristen (+ 58 %). Beim Flüssiggas hingegen sanken die Zahlen um 20 % und im Bereich Containerverkehr sah die Sache 2015 rundweg katastrophal aus. Hier musste ein Rückgang um 34 % im Bereich der Hochseeschifffahrt hingenommen werden, was die Schließung von zwei Containerdocks zur Folge hatte. Und hier wurden unter anderem Anteile bei ankommenden Waren und Gütern an Antwerpen verloren. Allerdings werden ab April 2017 zwei neue Containerverbindungen aus Asien und Neuseeland nach Zeebrügge aufgenommen.

Westflandern und der Brexit

In Sachen Brexit-Angst ist der Unternehmerverband VOKA in der Provinz Westflandern nach der Ansprache von Großbritanniens Premierministerin Theresa May und deren Ankündigung eines harten Brexits mit Hafen CEO Joachim Coens einer Meinung. VOKA unterstreicht dies mit harten Zahlen: Die britischen Inseln sind mit einem Umsatz von, 42 Mia. € der fünftgrößte Handelspartner des belgischen Bundeslandes Flandern. µ

Bert Mons von VOKA-Westflandern sagte dazu im Regionalsender Focus/WTV: „Wir brauchen ein starkes Handelsabkommen mit dem Vereinigten Königreich und müssen einen handelsfreundlichen Brexit erreichen und vermeiden, dass es zu Importabgaben kommt, die unseren Unternehmen schaden können.“ Mons macht sich angesichts der sich andeutenden Unklarheiten und eventuellen komplizierten Zollformalitäten sorgen für die Unternehmenswelt in Flandern im Allgemeinen und in der Provinz Westflandern im Besonderen.