Fien Trochs neuer Film "Home" begeistert Europa

"Home", der neue Film der flämischen Regisseurin Fien Troch (Foto), läuft seit einigen Tagen in den belgischen Kinos, doch schon bevor er hier anlief, wurde die europäische Filmwelt auf den Streifen aufmerksam. Bei internationalen Festivals, z.B. in Venedig und in Rotterdam, heimste der Streifen bereits Preise ein. Mit ihrem vierten Film verließ Troch die angestammten Pfade ihrer bisherigen Produktionen.
FILIPPO MONTEFORTE

Der Film „Home“ schließt sich inhaltlich früheren Arbeiten von Fien Troch - „Een ander zijn geluk“ (2005), „Unspoken“ (2008) und „Kid“ (2013) - an und betrifft erneut das Leben von Kindern im Konflikt mit der Erwachsenenwelt. Doch dieses Mal drehte sie mit Betroffenen, d.h. mit Jugendlichen im Teenageralter, die sich quasi selbst spielten. Und sie arbeitete zum ersten Mal mit ihrem Mann Nico Leunen zusammen, der am Drehbuch mitarbeitete und der den Streifen auch geschnitten hat.

Die beiden verfügten über besonders viel Material, denn sie konnten auf die Bildern zurückgreifen, die die jugendlichen Schauspieler während der Dreharbeiten mit ihren eigenen Handys selbst gemacht hatten. Dies macht aus „Home“ einen visuell besonders intensiven Film, der nicht, wie mittlerweile gewohnt, im Breitbandformat daherkommt, sondern im Format 4:3. Als Inspirationsquelle dienten nicht nur die Geschichten ihrer jungen Schauspieler, sondern auch ein Dokumentarfilm zum Thema Jugendkriminalität.

„Home“ erzählt die wahre Geschichte von Kevin, einem 17 Jahre alten Jungen, der aus dem Jugendgefängnis entlassen wird. Doch seine Eltern wollen ihn nicht wieder aufnehmen, sondern haben vor, ihn zu einer Tante abzuschieben. Im Laufe der Zeit freundet sich der 17jährige Ex-Jugendhäftling mit Generationsgenossen - mit John und Sammy - an, die ebenfalls im Konflikt zu ihren Eltern stehen. Ein Teil der Handy-Bilder der Protagonisten zeigt Konversationen mit ihren Eltern, die ein gewisses Scheitern der Erziehungsberechtigten erkennen lassen. Auch dies macht den Film emotional besonders stark.

"Selbst übertroffen"

Die Regisseurin gab in Gesprächen mit den Kulturredaktionen in Flandern an, dieser Film sei absolut nicht autobiografisch, denn sie habe ein gutes Verhältnis zu ihren Eltern gehabt und sei behütet aufgewachsen.

Die Arbeiten an „Home“ haben Fien Troch aber gezeigt, wie schwierig das Leben mit Teenagern sein kann. Die Suche nach einem Platz in ihrem Leben beschäftigt viele Jugendliche, wenn nicht alle. Doch solche familiären Horrorstorys, wie sie Fien Troch erzählt oder erzählen lässt, sind nicht der Alltag.

Trotzdem sollte man sich vor Augen führen lassen, was sich hinter vielen Fassaden tun kann. Ein Vergnügen ist „Home“ wahrlich nicht, doch er ist ein wichtiger Film mit starken Bildern, starken Persönlichkeiten und von einer starken Regisseurin. Nicht wenige Filmkritiker geben an, Fien Troch habe sich hier selbst übertroffen.