Wieder ein blutiges Fresko in Brüssel aufgetaucht

Nur wenige Tage nach einer Enthauptungsszene an der Vlaamsepoort ist ein weiteres blutiges Fresko in der belgischen Hauptstadt aufgetaucht. Und wieder handelt es sich bei dem Werk um einen Bezug zu einem klassischen Gemälde. Diesmal ziert ein nackter und blutiger kopfüber aufgehängter Körper einen Wohnturm an der Brigittinnenstraat unweit des Bahnhofs Brüssel Süd/Midi (Foto).

Das neue Fresko befindet sich fast genau neben dem kleinen Bahnhof Brüssel Kapelle am Ausgang des Nord-Süd-Tunnels in Richtung Süd/Midi. Dieses Bild lässt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig und ist in seiner blutigen Ausführung expliziter als bisherige Fresken.

Auch dieses Mal weist das Wandbild auf ein klassisches Gemälde hin, wie bereits am Wochenende an der Vlaamsepoort. Dabei handelt es sich nach Angaben von Fachleuten aus Kunstkreisen um das Gemälde „Die Leichen der Gebrüder De Witt“, das der niederländische Maler Jan de Baen Ende des 17. Jahrhunderts schuf (siehe Tweet aus dem Amsterdammer Rijksmuseum unten - bitte unter dem Bild weiterlesen).

Dieses Gemälde ist heute im Rijksmuseum in Amsterdam zu sehen und zeigt die öffentlich ausgestellten Leichen der beiden politisch einflussreichen Brüder Johan und Cornelis de Witt, die am 20. August 1642 von politischen Gegnern umgebracht wurden. Man machte die Brüder seinerzeit für alles verantwortlich, was damals vermeintlich schieflief…

Am Wochenende war auf einer Hauswand ein Fresko aufgetaucht, dass eine Enthauptungsszene andeutete, die auf ein klassisches Werk von Caravaggio hinwies. Schnell entbrannte eine Diskussion darüber, was Kunst darf und ob dies überhaupt Kunst sei. Da lagen die Ansichten von Brüsseler Lokalpolitikern und des flämischen Kulturministers Sven Gatz (Open VLD) weit auseinander (siehe nebenstehender Bericht).

Auf dem Appartementgebäude in der Brigittinnenstraat war schon einmal ein Fresko zu sehen (siehe Foto ganz unten). Damals malte der unter dem Namen Bonom bekannte Streetart-Künstler einen Schlangenmensch auf diese hohe Wand, doch dieser verschwand im Zuge einer Renovierung des Wohnturms. Sophie Lauwers, Leiterin der Abteilung Ausstellungen des Brüsseler Kunstpalastes Bozar, sagte in der Montagsausgabe der flämischen Tageszeitung De Morgen, man solle nicht darüber diskutieren, was Kunst sei oder was nicht, sondern sollte sich die Frage stellen, was uns genau dieser Künstler mit seinen Werken eigentlich sagen wolle.

Remco Sleiderink, Dekan der Fakultät Literaturwissenschaften an der Uni Löwen (KULeuven), ist der Ansicht, dass der Künstler mit seinen Bildern vor extremer Gewalt, Populismus und Rechtsextremismus warnen will. Mit seinen Hinweisen auf die Kunstgeschichte könnte er für Unbehagen sorgen und andeuten, dass Gewalt zu allen Zeiten in unserer Gesellschaft vorhanden war und das politische Abrechnungen stets dazu gehört haben. Das diese Fresken gerade jetzt auftauchen, hält Sleiderink angesichts des wachsenden Populismus überall auf der Welt - bis hin zu Trump in den USA - nicht für einen Zufall.