Missbrauch: Ex-Bischof weist alle Schuld von sich

Der ehemalige Bischof von Brügge, Roger Vangheluwe (Archivfoto), ist am Mittwoch mit einem seiner Missbrauchsopfer konfrontiert worden. Der aus dem Verkehr gezogene Geistliche, der sein Opfer in einem Gebäude der Bundespolizei in Brüssel traf, wies dabei jede Schuld von sich. Nach Informationen unseres Senders VRT gab Vangheluwe ein arrogantes und hochmütiges Bild ab.

Fast sechs Jahre, nachdem sich der frühere Bischof von Brügge „ins Verborgene“ zurückgezogen hat - er hatte seinerzeit zugegeben, sich des sexuellen Missbrauchs an minderjährigen Schutzbefohlenen schuldig gemacht zu haben - wurde er am Mittwoch mit einem seiner Opfer konfrontiert. Dieses Treffen erfolgte aufgrund von neuen Ermittlungsergebnissen, die der Anwalt des Opfers angefragt hatte.

Das Opfer sprach nach der Konfrontation mit dem westflämischen Regionalsender Focus/WTV über den Verlauf des Gespräches, dass mehrere Stunden lang gedauert haben soll. Dabei sagte er: „Vangheluwe war arrogant und hochmütig. Noch immer weiß er, wie er Theater zu spielen hat und er tut, als ob ihn keine Schuld trifft. Er weist alles von sich. Er gab an, dass er mich nicht kennt und dass er die Taten also nicht begangen haben könne. Er sagte, dass er niemals mit mir alleine hätte sein können.“

Der Anwalt des Opfers gab an, dass die Ermittler noch immer Zeit und Geld in den Fall stecken. Vangheluwes Anwalt hingegen führt an, dass die Faken verjährt seien. Gegenüber Focus/WTV gab der Verteidiger auch an, dass das vermeintliche Opfer seine Angaben bereits mehrmals angepasst habe.

Ein Blick zurück

Roger Vangheluwe war Bischof in Brügge im Zeitraum 1984 bis 2010. Am 22. April 2010 stellte er sein Amt zur Verfügung, als bekannt wurde, dass er sich jahrelang an Minderjährigen vergriffen hatte. Zunächst zog er sich in das Kloster Westvleteren zurück, um später in eine Kongregation in Frankreich umzuziehen, wo er noch immer zurückgezogen lebt.

Das Bistum Brügge hat Fragen

Das Bistum von Brügge fordert mehr Deutlichkeit im Fall Vangheluwe. Das Bistum wusste zum Beispiel von der Konfrontation zwischen seinem früheren Bischof und einem seiner Missbrauchsopfer nichts. Die Verantwortlichen des Bistums erinnerten in einer Reaktion erneut daran, dass die Kirche immer für die Opfer von sexuellem Missbrauch in ihrer Mitte offen sei, auch wenn die Fakten an sich bereits verjährt wären.