Neuer Sicherheitsplan für die Kernkraftwerke

Engie-Electrabel, der Betreiber der belgischen Kernkraftwerke, hat im zuständigen Ausschuss im belgischen Bundesparlamet eine Reihe von Maßnahmen vorgestellt, die zur einer Verbesserung der Sicherheit an den jeweiligen von dem Energiemulti betriebenen Standorten führen soll. Engie-Electrabel reagiert damit auf wiederholte Forderungen der Atomaufsichtsbehörde FANC.

Engie-CEO Isabelle Kocher war selbst aus Paris angereist, um den Abgeordneten im für nukleare Angelegenheiten und Energiefragen zuständigen Parlamentsausschuss Rede und Antwort zu stehen. Sie wolle das Vertrauen in ihr Unternehmen wiederherstellen, denn hier liegt nach einer langen Reihe von Pannen und Problemen in den beiden belgischen Kernkraftwerken Doel und Tihange (Foto) einiges im Argen.

Zudem wurde Engie-Electrabel nachdrücklich von der belgischen Bundesagentur für Reaktorsicherheit FANC wiederholt nachdrücklich an Sicherheitsprobleme in den Kernkraftwerken erinnert, insbesondere für den Standort Tihange bei Lüttich. Der Vorwurf: Das Personal gehe nachlässig mit den geltenden Sicherheitsbestimmungen um.

Engie-CEO Kocher gab an, die Mahnungen der FANC ernst zu nehmen. Kocher präsentierte einen Maßnahmenkatalog mit aus 314 Einzelpunkten, von denen 140 bereits umgesetzt worden seien. Bis Mitte 2018 soll der vollständige Vorgang abgerundet werden. Zu diesen Punkten gehören unter anderem Schulungen für das Personal, der baldige Austausch des Leiters des umstrittenen Kernkraftwerks Tihange, ein einheitliches Kernteam von Ingenieuren für alle Standorte und das Versprechen, mehr auf die Expertise von internationalen Experten zu setzen.

Das bedeutet, dass sie Spitze von Engie in Frankreich und von deren belgischer Tochter Electrabel endlich auf die seit langem herrschende Kritik in Belgien und in den Nachbarländern eingehen. „Wir müssen hieraus unsere Lektionen lernen und in Aktion kommen, was wir auch getan haben. Wenn wir so starke Signale empfangen, dann können wir nicht mit gekreuzten Armen sitzen bleiben“, so Electrabel-CEO Philippe Van Troeye.

Neue Leitung für Tihange

Ein erstes deutliches Zeichen ist die bald anstehende Übernahme der Leitung von Tihange durch den Franzosen Jean-Philippe Bainier, der den bisherigen Direktor Johan Hollevoet ersetzen wird. Auf Bainier wartet allerdings kein einfacher Job, denn er muss auch das Vertrauen zwischen dem Unternehmen und dem Personal von Tihange aufpolieren. Ob dies angesichts der dortigen Unternehmenskultur mit Streikfreudigkeit und laxem Umgang mit Sicherheitsvorschriften ein leichtes Unterfangen ist, sei dahingestellt.