Fahrgastkontrollen bei Thalys und Eurostar

Die belgische Bundesregierung hat sich mit den Niederlanden, mit Frankreich und mit Großbritannien auf das Einführen von Passagierlisten für die Hochgeschwindigkeitszüge Eurostar und Thalys geeinigt. So sollen international zur Fahndung ausgeschriebene Personen ermittelt werden. Deutschland hadert noch mit dieser Vorgehensweise. Davon sind in erster Linie die ICE-Züge zwischen Brüssel und Frankfurt betroffen.

In einer ersten Phase sollen Fahrscheine für die internationalen Züge von Thalys und Eurostar namensgebunden werden und vor dem Zustieg soll es Passkontrollen geben, bei denen verglichen wird, ob der Name auf dem Ausweis auch dem auf dem Ticket entspricht.

Nach Ansicht von Belgiens Innenminister Jan Jambon (N-VA - kl. Foto), der auf diese Vorgehensweise seit der Terrordrohung durch radikale Islamisten und seit den Anschlägen auf Paris und Brüssel drängt, werden die Reisenden durch diese Vorgehensweise nicht unbedingt aufgehalten oder gestört:

„Im Prinzip wird sich für die Reisenden nichts ändern. Das ist ein Vorgang zwischen den Behörden und den Bahngesellschaften, die uns die Angaben weitergeben, damit wir sie checken und mit uns bekannten Terrorverdächtigen vergleichen können, um so dafür sorgen zu können, dass diese nicht in Zügen reisen.“

Eine Arbeitsgruppe wird sich jetzt mit den Bahngesellschaften Eurostar und Thalys an einen Tisch setzen. Bisher haben diese vor allem noch praktische Bedenken. Sie glauben, dass das teuer wird und für Verspätungen sorgen kann.

Ein weiteres Problem besteht bei der Reisefreiheit, sprich bei Reisenden, die spontan eine Fahrkarte kaufen wollen, um ihre Reise sofort antreten zu können. Und doch will der belgische Innenminister bis zum Jahresende diese Kontrollen einführen. Für international verkehrende Fernbusse ist solch ein Kontrollsystem noch nicht geplant und wird wohl auch nicht kommen.

Und Deutschland?

Auffallend ist, dass Deutschland sich diesem Abkommen noch nicht angeschlossen hat. Zumal wir heute wissen, dass der Attentäter von Berlin, Anis Amri, über Belgien und Frankreich nach Italien flüchten konnte. Deutschland wolle vorläufig noch nicht mitmachen und beobachten, wie das in den anderen Ländern vorgenommen wird, so Innenminister Jambon:

„In Deutschland stehen Wahlen vor der Türe. Vielleicht hat das damit zu tun, doch die Gespräche laufen weiter. Wenn sich erweist, dass das System funktioniert, können sie sich einhaken.“

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