Belgiens dramatischer Kapitalabfluss durch Multinationals

Experten läuten die Alarmglocken. Multinationals in Belgien schafften Milliarden Euro aus diesem Land. Das geht aus einer Untersuchung der Finanz- und Wirtschaftszeitung De Tijd hervor.

Die größten 25 belgischen Finanzierungszentren von Multinationals wie ArcelorMittal, BP, IKEA und Philips wiesen in Belgien 2011 zusammen ein Vermögen von knapp 336 Milliarden Euro auf. Heute ist der Betrag auf nicht einmal 192 Milliarden Euro geschrumpft. Die Gruppe Multinationals hat innerhalb von fünf Jahren 144 Milliarden Euro aus Belgien weggeholt.

Der vor zehn Jahren hierzulande eingeführte Zinsabzug für Risikokapital zieht nicht mehr. Die Multinationals können aktuell viel weniger Vorteile aus dem Zinsabzug für Risikokapital ziehen, um damit von Belgien aus ihre weltweiten Aktivitäten zu finanzieren. Wenn Belgien nicht bald mit alternativen fiskalen Trümpfen aufwarte, werde dieses Land mit Arbeitsplatzverlusten überschwemmt. Die würden dann noch Jahre danach zu spüren sein, so Axel Haelterman, Professor für Steuerrecht an der KU Löwen.

Er nennt den Zustand "dramatisch" und sagt Belgien gar "fundamentale Probleme im Bereich der Beschäftigung bei Multinationals" voraus.

Aus einer Stichprobe der größten 25 Finanzierungszentren von 2011 geht hervor, dass die betroffenen Multinationals noch vor fünf Jahren 25,22 Milliarden Euro an Gewinnen verzeichneten. Heute ist das fast fünf Mal weniger.

Nach Auffassung von Haelterman bereiteten sich die Multinationals bereits auf die Abschaffung des Zinsabzugs für Risikokapital in Belgien vor. Wenn das passiert, würden ihm zufolge sechs bis neun von zehn Finanzierungszentren von Multinationals aus Belgien abwandern.

Seine Lösung ist deshalb: Die Senkung der Körperschaftssteuer in Belgien. Die müsse auf 23 Prozent und darunter sacken. Alles, was darüber liege, werde Belgien bei Multinationals nicht mehr interessant genug machen.